Sorge und Hoffnung – gescheiterte Tarifverhandlung Baugewerbe

Sorge und Hoffung - gescheiterte Tarifverhandlung Baugewerbe
Foto: Roland Riethmüller

Ende letzter Woche wurde die Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe nach drei ergebnislos verlaufenden Verhandlungsrunden für gescheitert erklärt. Als Rechtfertigung ihrer hohen Forderungen verweisen die Arbeitnehmervertreter auf weitere Umsatzsteigerungen in der Branche trotz der Corona-Krise. Dagegen bezeichnen die Arbeitgebervertreter hohe Lohn- und Gehaltsforderungen in dieser unsicheren Situation als unangemessen. Denn im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen hat sich der Tariflohn im Baugewerbe in den letzen Jahrzehnten äußerst arbeitnehmerfreundlich entwickelt.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) forderte in der jüngst gescheiterten Tarifverhandlung einen Lohnzuwachs von 6,8 Prozent beziehungsweise von mindestens 230 Euro monatlich. Darüber hinaus verlangten die Arbeitnehmervertreter 100 Euro monatlich mehr für Azubis aller Ausbildungsjahrgänge sowie eine Entschädigung der Wegezeit für den benötigten Zeitaufwand zum Erreichen der oft weit voneinander entfernte Baustellen.

Laut Gewerkschaft blockieren Arbeitgeber die Tarifverhandlung im Baugewerbe

Mit den genannten Forderungen geht die IG Bau jetzt in das Schlichtungsverfahren der Tarifverhandlung. Da Bauhandwerk und Bauindustrie kein Angebot vorgelegt hatten, wirft IG Bau-Chef Robert Feiger den Arbeitgebern „Blockadehaltung“ vor. Die Gewerkschaft verweist in der Argumentation für ihre Forderungen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Demnach steigerte das Bauhauptgewerbe den Umsatz zwischen Januar und Mai 2020 um 7,1 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten stieg bei Betrieben über 20 Beschäftigten um 4,1 Prozent. „Mit diesen Zahlen kann es Bauunternehmen gar nicht schlecht gehen. Und das in der Zeit der Corona-Pandemie“, zitiert die Gewerkschaft ihren Bundesvorsitzenden Robert Feiger. Die jetzt anstehende Schlichtung bezeichnete er als letzte Chance, eine „Herbst-Blockade auf dem Bau“ zu verhindern.

Arbeitgeberverbände verweisen auf Auftragsrückgänge

In der gemeinsamen Erklärung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) verwiesen die beiden Arbeitgebervertreter auf ein äußerst schwieriges Umfeld, in der die jetzt vorerst gescheiterte Tarifverhandlung stattfindet. Als Beleg nennen sie den vor allem während des Lockdowns eingeschränkten Zugang zu Materialien und Behörden, die einzuhaltenden Abstands- und Hygieneregeln sowie Auftragsrückgänge. Die Zahl der Auftragseingänge lag in den Monaten Januar bis Mai um zwei Prozent unter dem Vorjahreswert, melden die Verbände und gehen für das gesamte Jahr 2020 beim Umsatz im besten Fall von einem Nullwachstum aus.

Anstieg Tariflohn Baugewerbe in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent

Ergänzende Argumente kamen vom Verband Baugewerblicher Unternehmer Niedersachsen und vom Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Die Niedersachsen verwiesen darauf, dass sich der Tariflohn im Baugewerbe in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt habe und in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent angestiegen sei. Mit 20,63 Euro pro Stunde liege der Gesellenlohn eines Bauarbeiters deutlich höher als beispielsweise der von Elektrikern (15,71 Euro/Stunde) oder Lackierern (17,15 Euro/Stunde).

Die in der Tarifverhandlung geäußerte gewerkschaftliche Forderung nach einer allgemeingültigen Wegezeitvergütung bezeichneten die Niedersachsen als wenig hilfreich. Zur Wegezeitvergütung gebe es schon lange Regelungen im Tarifvertrag, argumentierten sie. Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg verwies als Beleg für das Engagement der Arbeitgeberseite, um den Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen zu bieten, unter anderem auf „faire Löhne für alle Baubeschäftigten mit etlichen Zusatzleistungen“.

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