Tarifverträge im Bauhauptgewerbe weiter ohne Einigung

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Foto: Roland Riethmüller

Auch am zweiten Verhandlungstag in der diesjährigen Tarifrunde im Bauhauptgewerbe konnten die Tarifparteien keine Einigung erzielen. Das in dieser Woche von den Arbeitgeberverbänden vorgelegte Angebot wurde von den Arbeitnehmervertretern eher als Provokation empfunden. Auch im Bezug auf die Erhöhung der Ausbildungsvergütung besteht noch Klärungsbedarf. Lediglich bei der Unterkunftsregelung war eine Annäherung spürbar.

Die Tarifparteien im Bauhauptgewerbe sind von einer Einigung weit entfernt. So ist es regelrecht symptomatisch, dass die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) als Vertreter der Arbeitnehmer von 785.000 Beschäftigen, die beiden Arbeitgeberverbände Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) jedoch von nur 760.000 Beschäftigten am Bau sprechen. Fakt ist, dass auch in dieser Woche in der zweiten Verhandlungsrunde über die Tarifverträge im Bauhauptgewerbe bisher zwischen den Tarifparteien immer noch keine Einigung erzielt werden konnte.

Arbeitnehmer halten das Arbeitgeber-Angebot für eine Provokation

“Wir haben der Gewerkschaft ein Angebot für den Lohn- und Gehaltstarifvertrag bei zwei Jahren Laufzeit mit einer Lohn- und Gehaltserhöhung ab 1. Juni 2016 und 1. Juni 2017 von jeweils 1,3 Prozent im Westen und 2,0 Prozent im Osten unterbreitet”, erklärt Frank Dupré, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes. Die weiterhin geringen Umsatzrenditen lassen keinen höheren Verhandlungsspielraum zu, ergänzt der Verhandlungsführer der Arbeitgeber. Doch führe am Ende aufgrund der niedrigen Infraktionsrate das angebotene Lohnplus zu einem realen Einkommenszuwachs bei den Facharbeitern am Bau.

Die IG BAU zeigt sich empört über das Angebot. “Die Bauwirtschaft brummt. Bauarbeiter erleben das jeden Tag auf den Baustellen, und die Arbeitgeber brüsten sich sogar selbst mit wachsenden Umsatzerwartungen”, ärgert sich der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers und fordert weiterhin eine Lohnerhöhung von 5,9 Prozent für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe.

Gewerkschaft sieht mangelnde Bereitschaft zur Erhöhung der Branchenattraktivität

Auch das Angebot einer nach Ausbildungsjahren gestaffelten, pauschalen Erhöhung der Ausbildungsvergütung für Auszubildende wird von den Arbeitnehmervertretern kritisiert. “Es ist enttäuschend, dass ausgerechnet für den Nachwuchs bei den Arbeitgebern kein ernsthafter Wille zu erkennen ist, die Kosten im Rahmen des Berufsschulunterrichts zu übernehmen”, bemängelt Schäfers. Schließlich hatten die IG BAU zur Erhöhung der Branchenattraktivität eine Übernahme der Fahrt- und Übernachtungskosten sowie eine Erhöhung der montatlichen Ausbildungsvergütung in Höhe von hundert Euro je Ausbildungsjahr gefordert.

Einigkeit lediglich bei Unterkunftsregelung für auswärtige Baustellen

Einig ist man lediglich bei der Unterkunftsregelung für auswärtige Baustellen. “Danach sollen die Betriebe zukünftig verpflichtet werden, die Unterkünfte bereit zu stellen und zu zahlen”, bestätigt Dupré und akzeptiert darüber hinaus einen Verpflegungszuschuss für Bauarbeiter bei auswärtigen Übernachtungen.

Die nächste Verhandlungsrunde findet am 25. April in Frankfurt am Main statt.

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