Die Baukrise spitzt sich zu: Immer weniger Baugenehmigungen, steigende Kosten und ein ins Stocken geratener Sanierungsmarkt setzen die Baubranche unter Druck. Während traditionelle Baustoffe wie Beton und Ziegel verlieren, gewinnt Holz an Bedeutung. Trotz Einbrüchen bei Gas- und Wärmepumpenverkäufen zeigt sich ein klarer Trend, denn die Wärmepumpe dominiert den Neubau. Experten sehen in der Gebäudesanierung jetzt den entscheidenden Hebel für Wachstum, Klimaschutz und neue Aufträge im Bauhandwerk.
Die deutsche Bauwirtschaft kämpft weiter mit rückläufigen Zahlen im Neubausegment. Sinkende Baugenehmigungen, steigende Kosten und ein schwacher Absatz bei Fenstern, Dämmstoffen und Heizsystemen belasten die Branche spürbar. Gleichzeitig eröffnet die wachsende Nachfrage nach klimafreundlichen Wärmepumpen und der enorme Sanierungsbedarf im Gebäudebestand neue Chancen. Das zeigt das zweite Update des dena-Gebäudereports 2025 der Deutschen Energie-Agentur, der aktuelle Entwicklungen bei Baustoffen, Wärmeerzeugern und Baukosten analysiert. Dabei verschiebt sich laut dem Bericht der Fokus zunehmend vom Neubau zur Sanierung. Während im Neubau 81 Prozent der genehmigten Wohngebäude bereits mit Wärmepumpen ausgestattet werden, stagniert die Entwicklung im Bestand. Hier blieb der Absatz im Jahr 2024 nahezu unverändert, obwohl der Gebäudebestand den größten Hebel für Klimaschutz und Energieeinsparung bietet. „Angesichts sinkender Neubauzahlen gewinnt die klimafreundliche Sanierung des großen Gebäudebestands noch mehr an Bedeutung. Sie kann der Bauwirtschaft neuen Schub geben und regionale Wertschöpfung stärken“, betont Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung. „Nur eine verlässliche Förderkulisse für Sanierungen kann die Transformation zu Klimaneutralität im Gebäudesektor vorantreiben und Beschäftigung sowie Investitionen sichern.“
Neubau in der Krise, Baustoffe im Wandel
Denn die Zahl der Baugenehmigungen für Wohngebäude fiel im Jahr 2024 auf nur noch 55.000. Das entspricht einem Minus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr und weniger als die Hälfte des Niveaus aus dem Jahr 2021. Besonders betroffen sind Bauvorhaben mit klassischen Materialien wie Beton, Ziegel und Kalksandstein. Dagegen legt Holz als nachhaltiger Baustoff weiter zu und erreicht mittlerweile einen Anteil von 24 Prozent. Gleichzeitig verliert die energetische Sanierung an Schwung: Der Absatz von Wärmedämmverbundsystemen sinkt seit dem Jahr 2022 kontinuierlich. Auch der Fenstermarkt schrumpfte von 4,2 auf 2,4 Millionen Einheiten innerhalb von drei Jahren. Parallel dazu verteuern sich Bauprojekte weiter. So stiegen die Baukosten pro Quadratmeter Wohnfläche im vergangenen Jahr um bis zu sechs Prozent.
Wärmepumpe behauptet Spitzenposition im Neubau
Trotz allgemeiner Marktverunsicherung bleibt die Wärmepumpe die klare Gewinnerin der Energiewende im Neubau. Während der Absatz von Gasheizungen im Jahr 2024 um 41 Prozent einbrach, sank der Wärmepumpenverkauf im Neubau nur leicht. Im Bestand dagegen brachen die Verkäufe um über die Hälfte ein. Dennoch ist der Trend eindeutig: 60 Prozent aller neu errichteten Wohngebäude wurden im Jahr 2024 mit Wärmepumpen ausgestattet, bei genehmigten Projekten für die kommenden Jahre liegt ihr Anteil bereits bei 81 Prozent. Gasheizungen spielen mit nur noch vier Prozent kaum noch eine Rolle. Im zahlenmäßig weit größeren Gebäudebestand werden weiterhin die meisten Wärmepumpen installiert. 71 Prozent aller eingebauten Geräte entfielen im Jahr 2024 auf diesen Bereich. Der stagnierende Markt im Bestand zeigt jedoch, dass die Sanierungsdynamik ins Stocken geraten ist.
Sanierung als Schlüssel für Wachstum und Klimaschutz
Die Daten verdeutlichen: Ohne eine gezielte Sanierungsoffensive droht der Bauwirtschaft ein langfristiger Einbruch. Der klimafreundliche Umbau des Gebäudebestands kann nicht nur zur CO2-Reduktion beitragen, sondern auch neue Aufträge für Handwerksbetriebe und Bauunternehmen schaffen. Eine stabile Förderpolitik und klare Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit die Branche die Energiewende aktiv mitgestalten kann. Dabei bleibt die Wärmepumpe das zentrale Symbol dieses Wandels.

















