Baugewerbe noch immer durch Asbest gefährdet

Bild zu: Baugewerbe noch immer durch Asbest gefährdet
Mit Asbest verseuchte Schulruine in Berlin; Foto: Roland Riethmüller

Es gibt immer wieder Themen, die einen erst viel zu spät zu einem Umdenken führen. So ist es auch mit der Verwendung von asbesthaltigen Werkstoffen. Vor Jahrzehnten waren diese in der Bauwirtschaft vor allem durch die positiven Eigenschaften des Asbests sehr beliebt. Leider war damals nicht klar, wie gesundheitsschädlich der Werkstoff eigentlich ist. Erst Anfang der 90er Jahre entschied man sich für ein Verbot des Einsatzes von Asbest. Doch auch heute noch bergen alte Gebäude die Gefahr von Erkrankungen, deren sich viele gar nicht bewusst sind.

Asbest war lange Zeit ein beliebter Baustoff, der in zahlreichen Produkten enthalten war. So zeichnete er sich insbesondere durch seine hervorragende Festigkeit aus. Darüber hinaus ist Asbest aber auch sehr hitze- und säurebeständig und weist ein gutes Dämmverhalten auf. Doch als sich über die Jahrzehnte immer deutlicher abzeichnete, dass Asbest auch zu zahlreichen Erkrankungen der Atemwege führte, die nur allzu oft auch Krebs zur Folge hatten, entschied man sich für ein Verbot des Einsatzes von Asbest.

In Deutschland ist die Herstellung und Verarbeitung von Asbest seit dem Jahr 1993 verboten. Dennoch sind immer noch viele Gebäude mit den asbesthaltigen Baustoffen kontaminiert. Dort, wo die Belastung besonders hoch war, wurden die Gebäude geräumt und sollen abgerissen werden. Doch gibt es immer noch auch Gebäude, in denen man sich über den Asbestgehalt gar nicht bewusst ist. Während zwar bekannt ist, dass Asbest oft in Dachplatten, Fassadenelementen, Brandschutzwänden, Installationskanälen und Fußbodenbelägen enthalten ist. So ist vielen nicht bekannt, dass aber auch in Putzen, Spachtelmassen und Fliesenkleber Asbestanteile vorhanden waren und immer noch sind. Prüfungen belegen, dass dabei immerhin gut ein Viertel der vor 1995 gebauten Gebäude betroffen sind.

Genau hier liegt derzeit immer noch die größte Gefahr für Handwerker, aber auch für Heimwerker. Schon ein harmloser Tapetenwechsel kann zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko führen. Sofern man das im Voraus weiß, kann man durch entsprechende Schutzkleidung Vorsorge leisten. Doch allzu oft wissen Hand- und Heimwerker das überhaupt nicht – mit fatalen Folgen.

Der Gesamtverband Schadstoffsanierung e.V. (GVSS) macht sich daher dafür stark, dass eine höhere Sensibilität zum Risiko und entsprechenden Schutzmaßnahmen gewahrt werden muss. Dies sei nur durch eindeutige Regelungen möglich. Christoph Hohlweck, GVSS-Vorsitzender, erklärt: „Auch mehr als 20 Jahre nach dem Verbot hat unsere Gesellschaft die mit dem Asbest verbundenen Herausforderungen noch längst nicht gemeistert. Asbesthaltige Spachtelmassen und Fliesenkleber sind in unserem Baubestand weit verbreitet, aber sie werden selten erkannt. Heimwerker und Bauprofis inhalieren täglich die tödliche Gefahr, ohne es auch nur zu ahnen. Wir brauchen dringend ein verbindliches Asbestkataster für den Bestand an Altbauten, sonst werden wir die sich fortsetzenden persönlichen und volkswirtschaftlichen Schäden nicht eindämmen. Es ist an der Zeit, diese bereits im Jahr 2012 von der europäischen Dachorganisation der Baugewerkschaften erhobene Forderung umzusetzen.“

Am 18. Juni 2015 wird es eine Fachkonferenz zu dem Thema geben. Diese veranstaltet der GVVSS e.V. mit Unterstützung der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik.

Hinweis bei Verdacht auf Asbest im Gebäudebestand: Mit einem professionellen Labortest lässt sich schnell klären, ob verdächtige Materialien tatsächlich Asbest enthalten – hier finden Sie passende Asbest-Tests für Hausstaub und Baumaterialien. Asbest-Tests von IVARIO

Kommentare

0 0 Bewertungen
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse Übersicht 2026

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2026 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.