Steigende Baukosten und knapper werdende Rohstoffe erhöhen den Druck auf die Bauwirtschaft. Die Bundesregierung setzt deshalb verstärkt auf Recyclingbaustoffe und will deren Einsatz im Hochbau mit einem neuen Aktionsplan erleichtern. Nach Ansicht der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft bietet die stärkere Nutzung von Sekundärrohstoffen großes Potenzial, Baukosten zu senken und Ressourcen zu schonen. Gebremst wird der Einsatz jedoch weniger durch Gesetze als vielmehr durch Vorbehalte in der Baupraxis.
Recyclingbaustoffe sollen künftig eine deutlich größere Rolle im Hochbau spielen. Mit ihrem Aktionsplan zur Senkung der Baukosten setzt die Bundesregierung verstärkt auf die Wiederverwendung mineralischer Baustoffe und den Einsatz von Sekundärrohstoffen. So sieht der neue 13-Punkte-Aktionsplan des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) vor, Hemmnisse bei der Zulassung neuer Baustoffe abzubauen und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Wiederverwendung und Recycling weiterzuentwickeln. Bundesbauministerin Verena Hubertz bringt die Zielsetzung auf den Punkt: „Was wir heute verbauen, soll morgen kein Abfall sein.“ Gebäude seien wertvolle Rohstofflager, deren Potenzial bislang nicht ausreichend genutzt werde. Damit soll nicht nur nachhaltiger gebaut, sondern auch der Verbrauch knapper Primärrohstoffe reduziert werden. Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) begrüßt diesen Kurs ausdrücklich und sieht darin eine Chance, Baukosten zu reduzieren, Primärrohstoffe einzusparen und die Bauwirtschaft unabhängiger von internationalen Lieferketten zu machen. Gleichzeitig macht der Verband deutlich, dass aus seiner Sicht nicht fehlende Gesetze, sondern Vorbehalte in der Praxis den breiteren Einsatz von Recyclingbaustoffen bremsen.
Recycling kann Baukosten senken
Nach Einschätzung des bvse bietet der verstärkte Einsatz von Recyclingbaustoffen auch wirtschaftliche Vorteile. Zwar lasse sich kein allgemeiner Prozentsatz für mögliche Einsparungen nennen, da jedes Bauprojekt individuell kalkuliert werde. Dennoch könnten Sekundärbaustoffe in vielen Fällen günstiger sein als Primärmaterialien. Als Gründe nennt der Verband die wachsende Zahl stationärer und mobiler Recyclinganlagen sowie die Möglichkeit, mineralische Baustoffe direkt auf der Baustelle aufzubereiten. Dadurch lassen sich Transportwege verkürzen oder sogar vollständig vermeiden. Gleichzeitig steigen die Kosten für Deponierung und Verfüllung, wodurch Recyclingmaterial zusätzlich an Attraktivität gewinnt.
Verband sieht keine rechtlichen Hürden
Immer wieder wird in der Branche argumentiert, Unsicherheiten beim sogenannten Abfallstatus würden den Einsatz von RC-Baustoffen erschweren. Der bvse widerspricht dieser Einschätzung jedoch deutlich. „Dieses Argument ‚Abfallstatus‘ wird aus meiner Sicht vorgebracht, um weiterhin den Primärbaustoffen den Vorzug geben zu können“, erklärt Geschäftsführer Stefan Schmidmeyer. Nach Auffassung des Verbandes schaffen bereits heute die Ersatzbaustoffverordnung sowie die einschlägigen technischen Regelwerke und DIN-Normen einen ausreichenden rechtlichen Rahmen für den Einsatz von Recyclingbaustoffen. Auch die Voraussetzungen für das sogenannte Abfallende seien im Kreislaufwirtschaftsgesetz geregelt. Entscheidend sei, dass die vorgeschriebenen Qualitäts- und Nachweispflichten erfüllt werden.
Qualitätssiegel soll Vertrauen in Recyclingbaustoffe stärken
Für mineralische Recyclingbaustoffe verweist der bvse auf das etablierte QUBA-Siegel. Es bestätigt unter anderem die Einhaltung bautechnischer Anforderungen, Umweltstandards sowie der Qualitätssicherung. Schmidmeyer zieht daraus ein klares Fazit: „Eigentlich brauchen wir gar keine Abfallende-Verordnung mehr.“ Aus Sicht des Verbandes sind die rechtlichen Voraussetzungen längst geschaffen – nun komme es vor allem darauf an, Recyclingbaustoffe konsequenter in der Baupraxis einzusetzen.

















