Baukrise am Wendepunkt? Bund setzt neue Signale für mehr Neubau

Foto: Roland Riethmüller

Beim Spitzengespräch zur Bau- und Wohnungspolitik setzt die Bundesregierung neue Signale für den Wohnungsbau. Geplante Förderungen wie EH-55 Plus, beschleunigte Planungsverfahren und der Gebäudetyp E sollen die festgefahrene Baukrise lösen und den massiven Bauüberhang endlich in Bewegung bringen. Die Baubranche fordert jedoch mehr Tempo und verlässliche Rahmenbedingungen, damit genehmigte Projekte realisiert und der Neubau ab dem Jahr 2026 spürbar anzieht.

Ein erneuter Schulterschluss zwischen Politik und Bauwirtschaft setzt neue Impulse für den Wohnungsbau in Deutschland. Beim „Spitzengespräch zur Bau- und Wohnungspolitik“ im Bundesbauministerium wurden zentrale Weichenstellungen diskutiert, die den stagnierenden Markt beleben und den dringend benötigten Wohnungsneubau wieder in Gang bringen sollen. Erste Signale zeigen in die richtige Richtung, doch der Handlungsdruck bleibt hoch, um den seit Jahren wachsenden Bauüberhang aufzulösen und Investitionen wieder attraktiv zu machen. So betont der Präsident vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Wolfgang Schubert-Raab, nach dem Treffen, dass sich beim Thema Wohnungsbau tatsächlich Bewegung abzeichne. Wichtige Impulse wie die geplante EH-55-Plus-Förderung, beschleunigte Planungsverfahren in den Kommunen und der in Aussicht gestellte Gebäudetyp E könnten den Weg aus der Baukrise ebnen. Dennoch sei vieles zu langsam angegangen worden. „Der heutige Austausch hat gezeigt: Es gibt Bewegung beim Wohnungsbau. Fortschritte wie die geplante EH-55 Plus-Förderung, schnellere Planungsverfahren in den Kommunen und der angekündigte Gebäudetyp E setzen wichtige Signale. All das lässt hoffen, dass der Neubau ab 2026 wieder anzieht. Dennoch: Vieles hätte schneller und entschlossener angepackt werden können.“

Bauüberhang und fehlende Zinsstützung als Haupthemmnisse

Tausende bereits genehmigte, aber bisher nicht gestartete Projekte belasten den Wohnungsmarkt. Nach Einschätzung des Baugewerbes liegt das maßgeblich an fehlenden wirtschaftlichen Anreizen. Schubert-Raab fordert daher eine Förderung, die Bauherren und Projektentwicklern wieder realistische Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet. „Dafür braucht es Förderbedingungen, die eine Zinsstützung deutlich unter Marktniveau bieten – nur dann werden genehmigte Projekte auch tatsächlich realisiert.“ Eine vorsichtige Stabilisierung bei Genehmigungen und Auftragseingängen reiche nicht aus; entscheidend sei die Überführung dieser Tendenzen in eine echte Trendwende.

Gebäudetyp E: Rechtssicherheit gefordert

Besondere Dringlichkeit sieht die Branche beim Gebäudetyp E, der den Verzicht auf bestimmte Standards ermöglichen soll, um kostengünstiger zu bauen. Doch ein Gesetz erst Ende 2026 wäre ein Rückschlag. Laut Schubert-Raab brauche die Branche deutlich früher juristische Klarheit, damit Planungen angepasst und günstige Bauweisen realisiert werden können. Bund und Länder müssten zügig handeln und im besten Fall bundesweit einheitliche Regelungen schaffen.

Serielles Bauen für den Wohnungsbau bereits etabliert

Zudem stellt Schubert-Raab klar, dass modulares oder serielles Bauen nicht am Vergaberecht scheitere. Schon heute würden zahlreiche öffentliche Projekte – etwa Schulen oder Kitas – modular realisiert, insbesondere im Holzbau. Da der Großteil der Wohnungen von privaten Bauherren errichtet werde, spiele das Vergaberecht im Wohnungsbau in vielen Fällen ohnehin keine zentrale Rolle.

Appell an die Politik: Programme bündeln und vereinfachen

Ein zentraler Punkt bleibt die überfällige Vereinfachung der Neubauprogramme. Unübersichtliche Förderrichtlinien gelten als Investitionsbremse. Die im Koalitionsvertrag angekündigte Bündelung müsse nun konsequent umgesetzt werden, um Planungssicherheit zu schaffen und den Wohnungsbau nachhaltig zu beleben. Dabei ist die Marschrichtung klar: „Alle Beteiligten waren sich am Ende einig: Schluss mit Zögern und Bedenken. Jetzt heißt es bauen statt bremsen.“

Zieht die Politik den Wohnungsbau mit ihren Maßnahmen wirklich aus der Krise?

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