Bauwirtschaft unter Druck – Baukonjunktur schwächelt

Bauwirtschaft unter Druck - Baukonjunktur schwächelt
Foto: Roland Riethmüller

Der Bauboom in Deutschland gerät ins Stocken. Der Wohnungsbau und die Baustoffhersteller sind besonders betroffen. Die Bauwirtschaft wird durch die Inflation, Versorgungsengpässe, steigende Energiepreise und hohe Zinsen am härtesten in Mitleidenschaft gezogen. Besonders kritisch sieht es beim privaten Wohnungsbau und bei den Neubauten aus. Die Baubranche muss umfangreiche Maßnahmen ergreifen, damit die Baukonjunktur nicht noch mehr ins Stocken gerät. Ein intelligentes Preismanagement soll die Umsätze absichern.

Die Bauwirtschaft steht vor einem entscheidenden Wandel. Die steigenden Energiepreise, die Versorgungsengpässe, die Inflation und die Zinsen beeinflussen die Nachfrage. „Energieengpässe und -preissteigerungen, die bereits im Zuge der Pandemie stark gestiegenen Materialkosten, Inflation und höhere Zinsen treffen die Bauwirtschaft gerade zur gleichen Zeit“, sagt Kai-Stefan Schober, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger. „Die weitere Branchenentwicklung ist in starkem Maße abhängig von der Lösung der Energiekrise und kann somit entweder zu einer langen Durststrecke oder zu einer schnellen Erholung führen.“

Das Wachstum in der Bauwirtschaft verlangsamt sich

Seit dem Jahr 2005 gab es in der Bauwirtschaft nur Wachstum. Sogar die Pandemie und die Finanzkrise hat die Branche gut überstanden. Das kann sich aber schnell ändern, denn die Auftragsbestände reichen nur noch für rund zwei Jahre. Neben den Auftragsverschiebungen und Stornierungen verlangsamen sich aber auch die Baugenehmigungen. Im ersten Halbjahr des Jahres 2022 sind diese gegenüber dem Vorjahr um 10,1 Prozent zurückgegangen. Das kann darauf hindeuten, dass der reale Umsatz im Jahr 2023 um fast fünf Prozent zurückgehen wird. Unter diesem Eindruck haben die Experten Szenarien entwickelt und die Auswirkungen aufgezeichnet. Auch im kommenden Jahr wird die Baukonjunktur schwächeln und die Bauindustrie unter Druck stehen. Schon jetzt muss die Branche eine Verteuerung der Energiepreise um 60 Prozent verkraften. Für das Jahr 2023 ist deshalb mit einem Umsatzrückgang von rund 4,8 Prozent zu rechnen. Die Kosten werden ebenfalls steigen und es ist mit einer überdurchschnittlichen Steigerung von 15 bis 20 Prozent zu rechnen. Das würde die Gewinne um bis zu zehn Prozent schmälern. Besonders betroffen wäre davon der Wohnungs- und Neubau. Eine Normalisierung käme frühestens im Jahr 2025 in Betracht.

Baukonjunktur – Der Neubau und Wohnungsbau sind besonders hart betroffen

Besonders kritisch ist der Neubau und Wohnungsbau. Gegenüber dem Vorjahr könnte dieser um real sechs Prozent schrumpfen. Eine Erholung der Baukonjunktur in diesem Bereich ist erst im Jahr 2025 möglich. Auf der Lieferantenseite sind besonders die Baustoffhersteller wegen des hohen Gasverbrauchs stark betroffen. Die Experten befürchten hier sogar einen Umsatzrückgang von bis zu 23 Prozent. Es hängt jedoch davon ab, wie lange die Gaskrise andauert. Bis sich die Baubranche davon erholt, kann es bis zu vier Jahre dauern. Damit die Geschäftsmodelle widerstandsfähiger werden, müssten die Unternehmen heute schon Maßnahmen ergreifen. Ein intelligentes Preismanagement soll die Risiken abfedern. Um Lieferengpässe zu vermeiden, sollten Kapazitätsverlagerungen an andere Standorte überprüft werden. Die Unternehmen sind so auf die Zeit nach der Krise vorbereitet.

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