Exoskelette im Handwerk: Rücken entlasten, Fachkräfte halten

Foto: Suitx by Ottobock

Exoskelette könnten für das Bauhandwerk angesichts von Fachkräftemangel und hohen körperlichen Belastungen immer wichtiger werden. Die technischen Assistenzsysteme sollen Rücken, Schultern und Gelenke bei schweren Arbeiten entlasten und damit helfen, Beschäftigte länger im Beruf zu halten. Suitx by Ottobock sieht das Handwerk deshalb als Wachstumsmarkt. Gemeinsam mit Würth baut der Hersteller den Vertrieb von Exoskeletten in Deutschland und Europa deutlich aus. 

Körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten gehören auf Baustellen und im Handwerk zum Alltag. Heben, Tragen, Arbeiten in gebückter Haltung oder Überkopfarbeiten können Beschäftigte dauerhaft belasten. Gleichzeitig wird es für Betriebe schwieriger, Fachkräfte zu finden und erfahrene Mitarbeiter möglichst lange im Beruf zu halten. Damit rückt neben Arbeitsschutz und Ergonomie zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie technische Assistenzsysteme Beschäftigte bei solchen Arbeiten unterstützen können. Dazu gehören auch Exoskelette, die im Bauhandwerk künftig eine größere Rolle spielen werden. Angesichts des Fachkräftemangels, älter werdender Belegschaften und hoher körperlicher Belastungen wächst das Interesse an technischen Hilfsmitteln, die Rücken, Schultern oder Gelenke bei schweren Arbeiten entlasten. Der Exoskelett-Anbieter Suitx by Ottobock sieht deshalb gerade im Handwerk einen Wachstumsmarkt und baut gemeinsam mit Würth den Vertrieb deutlich aus. 

Exoskelette sollen Fachkräfte im Handwerk entlasten

Suitx by Ottobock setzt dabei auf unterschiedliche Exoskelette für verschiedene Belastungen. Das IX Back Air soll beispielsweise den unteren Rücken beim Heben, Tragen und bei Arbeiten in gebeugter Haltung unterstützen. Weitere Systeme sind für Nacken, Handgelenke, Knie und Rücken vorgesehen. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt allerdings von der jeweiligen Tätigkeit ab. Arbeitsplatzanalysen und praktische Tests sollen deshalb zeigen, wo sich die Technik tatsächlich in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lässt. „Gesundheitsschutz wird damit zu einem wirtschaftlichen Faktor“, erklärt David Duwe, Europachef von Suitx by Ottobock. „Exoskelette reduzieren körperliche Belastungen und unterstützen attraktive Arbeitsbedingungen, insbesondere dort, wo technische oder organisatorische Maßnahmen allein nicht ausreichen.“

Würth baut Angebot für Exoskelette deutlich aus

Damit die Technik leichter in Bau- und Handwerksbetriebe gelangt, erweitert Ottobock gemeinsam mit Würth die Vertriebsstruktur. In Deutschland sind die Exoskelette bereits in mehr als 90 Würth-Niederlassungen erhältlich. Bis Ende 2026 soll die Zahl auf mehr als 100 Standorte steigen. Auch international ist eine Expansion geplant. In Frankreich sollen die Systeme bis Ende März 2027 in 240 Niederlassungen angeboten werden. Dabei spielt die praktische Erprobung eine wichtige Rolle. Denn Exoskelette müssen nicht nur entlasten, sondern dürfen Arbeitsabläufe möglichst wenig behindern. Beim Dachdecker- und Abdichtungsunternehmen Schühle Abdichtungen aus Reutlingen werden die Systeme bereits bei körperlich belastenden Arbeiten eingesetzt. „Wer gute Fachkräfte langfristig halten möchte, muss in ihre Gesundheit investieren. Exoskelette helfen dabei, körperliche Belastungen zu reduzieren und zeigen, dass Innovation heute selbstverständlich zum Handwerk gehört“, sagt Hansjörg Schühle.

BG Bau unterstützt Erprobung von Exoskeletten

Auch die BG Bau unterstützt die betriebliche Erprobung von Exoskeletten für Rücken und Schultern. Handwerksbetriebe können damit testen, bei welchen Tätigkeiten die Systeme unter realen Bedingungen einen Nutzen bringen. Erfahrungen gibt es bereits aus Industrie und Logistik. Dort kommen Exoskelette unter anderem bei Hebe-, Trage-, Wartungs- und Reparaturarbeiten zum Einsatz. Für das Bauhandwerk könnte sich damit ein weiteres technisches Hilfsmittel etablieren, um körperliche Belastungen zu reduzieren und Fachkräfte länger im Beruf zu halten.

Sind Exoskelette die Antwort auf den Fachkräftemangel im Handwerk?

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