Künstliche Intelligenz verändert die Suche nach Handwerkern und damit auch die Kundengewinnung im Handwerk. Laut einer aktuellen Studie setzt Google bei Empfehlungen vor allem auf Google Maps, während ChatGPT eher klassische Branchenverzeichnisse bevorzugt. Auch die Zahl der Google-Bewertungen entscheidet darüber, welche Handwerksbetriebe in KI-Antworten sichtbar werden. Besonders überraschend ist, wie stark Betriebe auf dem Land von der KI-Suche profitieren können.
Bei Heizungsausfall, undichtem Dach oder anstehender Sanierung wird heute online nach einem passenden Handwerksbetrieb gesucht. Dabei verändert die Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend die Recherche. Denn wer bei ChatGPT oder Googles Gemini als geeigneter Betrieb genannt wird, kann künftig einen entscheidenden Vorteil bei der Kundengewinnung haben. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun, welche Faktoren dabei eine wichtige Rolle spielen. Besonders relevant sind Google-Bewertungen und Einträge in Branchenverzeichnissen. Allerdings unterscheiden sich ChatGPT und Google bei ihren Empfehlungen deutlich. So hat das Münchner Software- und Analyseunternehmen Wortliga dafür jeweils 480 Antworten des KI-Modus von Google und von ChatGPT untersucht. Getestet wurden identische Suchanfragen aus sechs Handwerksbranchen in 40 deutschen Städten. Das Ergebnis: Googles KI verweist in neun von zehn Antworten auf mindestens ein Profil aus Google Maps. ChatGPT nutzt Google Maps dagegen laut Untersuchung in keinem Fall als ausgewiesene Quelle. Stattdessen führen 55 Prozent der ChatGPT-Antworten zu Handwerksbetrieben auf Portalen und Verzeichnissen. Bei Google liegt dieser Anteil bei 29 Prozent.
Branchenverzeichnisse werden im Handwerk für ChatGPT wichtig
Besonders deutlich wird der Einfluss klassischer Branchenverzeichnisse. Ist ein Handwerksbetrieb auf einer Portalseite vertreten, die bei derselben Suche auch Google anzeigt, wird er von ChatGPT in 62 Prozent der Fälle empfohlen. Ohne einen solchen Eintrag sinkt die Quote auf lediglich 39 Prozent. Bei Betrieben mit weniger als 20 Google-Bewertungen fällt der Unterschied noch größer aus: Mit Portaleintrag erreicht die Empfehlungsquote 58 Prozent, ohne nur 29 Prozent. Dabei bevorzugen die Systeme unterschiedliche Quellen. ChatGPT verweist in der Untersuchung besonders häufig auf Das Örtliche und Gelbe Seiten. Google greift dagegen häufiger auf Wer kennt den Besten sowie ebenfalls auf Gelbe Seiten zurück. Für Dachdecker spielen zudem Innungen und Handwerkskammern eine auffällig große Rolle: In 56 Prozent der untersuchten ChatGPT-Antworten wurden Suchende direkt zu einer Dachdecker-Innung oder Handwerkskammer geschickt.
Viele Google-Bewertungen erhöhen die Sichtbarkeit
Neben Verzeichniseinträgen beeinflusst offenbar auch die Zahl der Google-Bewertungen die Sichtbarkeit in KI-Antworten. Betriebe, die sowohl Google als auch ChatGPT empfehlen, kommen im Median auf 49 Bewertungen. Handwerksunternehmen mit mindestens 150 Bewertungen erscheinen zu 40 Prozent in den Antworten beider Systeme. „Wer als Handwerker in den Antworten von KI-Systemen auftauchen will, muss zweigleisig fahren“, sagt Gidon Wagner, Geschäftsführer von Wortliga. „Google bedient sich vor allem am eigenen Kartenmaterial, während ChatGPT stark auf klassische Branchenbücher setzt. Betriebe sollten deshalb nicht nur ihr Google-Profil und ihre Kundenbewertungen pflegen, sondern auch ihre Einträge in den großen Verzeichnissen prüfen.“
KI-Suche nach Handwerkern: Betriebswebsites auf dem Land im Vorteil
Interessant ist außerdem der Unterschied zwischen Stadt und Land. In Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern verlinkt ChatGPT in 76 Prozent der untersuchten Antworten direkt auf die Website eines Handwerksbetriebs. In Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern passiert das nur in 24 Prozent der Fälle. Damit dürfte die zunehmende KI-Suche auch die Online-Kundengewinnung im Handwerk verändern. Neben der eigenen Website gewinnen Bewertungen, Google-Unternehmensprofile und klassische Branchenverzeichnisse als digitale Zugangspunkte zum Betrieb an Bedeutung.

















