Zwischen Klimaanpassung und Effizienz – BAU 2027 zeigt neue Wege

Foto: Messe München

Die BAU 2027 in München wird zeigen, wie sich die Bauwirtschaft trotz hoher Baukosten, Fachkräftemangel und Wohnungskrise verändern könnte. Baurobotik, Digitalisierung und neue Baustoffe sollen Bauprozesse beschleunigen und Kosten senken. Gleichzeitig eröffnet die Klimaanpassung mit Investitionen von bis zu 237 Milliarden Euro neue Geschäftsfelder für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe. Welche Innovationen die Baustelle verändern und wo neue Aufträge entstehen könnten, steht im Mittelpunkt der Baufachmesse. 

Die Bauwirtschaft steht unter erheblichem Veränderungsdruck. Hohe Baukosten, Wohnungsmangel und steigende Anforderungen an den Klimaschutz erfordern neue Lösungen. Wie groß der Handlungsbedarf ist, verdeutlicht der Bau-Monitor 2026 des Pestel-Instituts: In Deutschland fehlen rund 1,35 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig erschweren hohe Kosten, langwierige Genehmigungen und geringe Produktivitätsfortschritte den Wohnungsbau. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW), fordert deshalb schnellere Verfahren, mehr Wettbewerb und innovative Produktionsmethoden. Auch modulares und serielles Bauen soll stärker zur Kostensenkung beitragen. Daher stehen auch auf der Baufachmesse BAU 2027 in München Produktivität, Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und wirtschaftliches Bauen im Mittelpunkt. Vom 11. bis 15. Januar 2027 wird die Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme zum Treffpunkt der internationalen Baubranche. Neue Baustoffe, Baurobotik und serielle Bauweisen sollen zeigen, wie sich Bauprozesse beschleunigen und Ressourcen einsparen lassen. Gleichzeitig eröffnet die notwendige Klimaanpassung Bauunternehmen und Handwerksbetrieben neue Geschäftsfelder.

BAU 2027: Milliardenmarkt durch Klimaanpassung

Neben bezahlbarem Wohnraum rückt die Anpassung bestehender Gebäude an den Klimawandel in den Fokus. Laut einer Prognos-Studie sind dafür bis zum Jahr 2035 Investitionen zwischen 137 und 237 Milliarden Euro erforderlich. Im Szenario eines leichten Klimawandels entfallen 86 Prozent der Investitionen auf Bestandsgebäude. Besonders gefragt sind Lösungen gegen Hitze und Starkregen, etwa Sonnenschutz, Retentionsdächer und wassersensible Gebäudekonzepte. „Klimaanpassung ist mehr als ein reaktives Schutzkonzept – sie ist ein wirtschaftlicher Motor für die gesamte Bauwertschöpfungskette, eröffnet neue Märkte, Geschäftsmodelle und Beschäftigungschancen“, bestätigt Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), und sieht darin erhebliche wirtschaftliche Chancen.

Kreislaufwirtschaft verändert den Baustoffmarkt

Auch der Umgang mit Baumaterialien wird zum Wettbewerbsfaktor. Nach Angaben des Wuppertal Instituts sind allein in deutschen Gebäuden rund 20,8 Milliarden Tonnen Materialien gebunden. Gleichzeitig entstehen jährlich etwa 220 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle. Urban Mining, Recyclingbeton und wiederverwendbare Bauteile sollen deshalb den Rohstoffverbrauch reduzieren. Zusätzlich steigen mit digitalen Produktpässen und Gebäudeökobilanzen zudem die Anforderungen an die Dokumentation. Für Bauunternehmen gewinnt damit die Kenntnis über Herkunft, Eigenschaften und Wiederverwendbarkeit von Baustoffen an Bedeutung.

Baurobotik und Digitalisierung auf der BAU 2027

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Automatisierung von Bauprozessen. Künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und Baurobotik sollen die Produktivität erhöhen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. In der neuen „Black Box“ in Halle B0 werden erstmals Lösungen entlang konkreter Bauprozesse präsentiert. Auch ein eigener Bereich für serielles und modulares Bauen ist vorgesehen. „Robotik verbindet Arbeitssicherheit mit Produktivität“, betont Lena-Marie Pätzmann, Gründerin und Geschäftsführerin von Sitegeist Robotics. „Sie reduziert Gefährdungen auf der Baustelle und steigert gleichzeitig Qualität und Wirtschaftlichkeit. Die BAU 2027 zeigt, wie diese Zukunft des Bauens bereits heute Realität wird.“ Mit neuen Ausstellungsbereichen für Innenausbau und digitalen Lösungen sowie praxisnahen Formaten will die BAU 2027 zeigen, wie technologische Innovationen künftig auf Baustellen und in Handwerksbetrieben ankommen.

Was bremst die Bauwirtschaft am stärksten aus?

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