Immer mehr Frauen entdecken Berufe in der Bauwirtschaft, doch ihr Anteil bleibt weiterhin niedrig. Aktuelle Branchenzahlen machen deutlich: Besonders im Bauingenieurwesen wächst die Frauenquote deutlich, während auch gewerbliche Bauberufe langsam attraktiver werden. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe könnte das ein wichtiger Schlüssel im Kampf gegen den Fachkräftemangel sein. Gleichzeitig kämpft die Branche mit sinkenden Studienanfängerzahlen und strukturellen Hürden.
Der Anteil von Frauen in der Bauwirtschaft steigt langsam, bleibt aber weiterhin deutlich unter dem der Männer zurück. Neue Zahlen aus der Branche zeigen jedoch, dass sich immer mehr Frauen für Bau- und Handwerksberufe interessieren, sowohl in akademischen als auch in gewerblichen Tätigkeiten. Besonders im Bauingenieurwesen wächst der Anteil weiblicher Studierender seit Jahren. Gleichzeitig sieht die Bauindustrie weiterhin strukturelle Herausforderungen, etwa bei der Nachwuchsgewinnung oder der Bezahlung. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe könnte die stärkere Einbindung von Frauen deshalb zu einem wichtigen Baustein gegen den Fachkräftemangel werden. So ist der Trend eindeutig: Frauen entdecken zunehmend Karrieremöglichkeiten auf Baustellen, in Planungsbüros und in technischen Berufen. Nach aktuellen Branchenzahlen sind inzwischen 30 Prozent der Studierenden im Bauingenieurwesen weiblich. Damit gehört das Bauingenieurwesen zu den technischen Studiengängen mit vergleichsweise hoher Frauenquote. Das ist ein Signal, dass sich das Image der Branche langsam wandelt. Gleichzeitig wächst auch das Interesse an gewerblichen Tätigkeiten, etwa in der Zimmerei oder bei Baugeräteführerinnen. Dennoch bleibt der Frauenanteil in vielen klassischen Baustellenberufen weiterhin niedrig.
Frauenanteil steigt, aber langsam
Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sieht in der Entwicklung einen wichtigen Fortschritt. “Wir freuen uns, dass sich so viele Frauen für den abwechslungsreichen und spannenden Beruf des Bauingenieurs interessieren”, freut sich HDB-Vizepräsidentin Jutta Beeke. “Immerhin sind von den derzeit 60.150 Studierenden des Fachs Bauingenieurwesen 18.200 weiblich (30 Prozent), vor 25 Jahren lag der Anteil nur bei 20 Prozent. Damit liegt der Bau sogar vor anderen Bereichen der deutschen Wirtschaft, worauf wir stolz sein können.“ Auch in gewerblichen Bauberufen zeigt sich Bewegung. Während im Jahr 2013 nur 1,3 Prozent der Beschäftigten in bauhauptgewerblichen Berufen Frauen waren, liegt der Anteil inzwischen bei 2,3 Prozent. In den entsprechenden Ausbildungsberufen ist der Anteil sogar auf 4,8 Prozent gestiegen. Insgesamt beträgt der Frauenanteil im Bauhauptgewerbe mittlerweile rund elf Prozent. Dennoch blickt die Branche mit Sorge auf sinkende Studienanfängerzahlen. Im Wintersemester 2024/25 haben sich nur noch 9.000 junge Menschen für ein Bauingenieurstudium eingeschrieben, darunter 2.720 Frauen. Das sind zwar deutlich mehr als noch vor zwei Jahrzehnten, aber rund 13 Prozent weniger als zum Höchststand vor elf Jahren. Ursachen sieht die Branche insbesondere in der demografischen Entwicklung.
Handwerk und Bauwirtschaft setzen auf Frauen
Auch das Handwerk unterstreicht die Bedeutung weiblicher Fachkräfte für die Zukunft der Branche. “Als Auszubildende, Gesellinnen, Meisterinnen oder Unternehmerinnen – Frauen übernehmen im Handwerk eine zentrale Rolle“, betont Ina-Maria Heidmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass weiterhin strukturelle Hürden bestehen. Trotz zahlreicher Initiativen müssten Handwerkerinnen noch immer mit alten Klischees und organisatorischen Herausforderungen umgehen. Eine stärkere Zusammenarbeit mit Schulen, Berufsorientierungsprogramme sowie bessere Rahmenbedingungen für selbstständige Handwerkerinnen gelten daher als wichtige Stellschrauben. Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels könnte die Bauwirtschaft künftig stärker auf weibliche Talente setzen, sowohl auf der Baustelle als auch in Planung, Management und Unternehmensführung.

















