Handwerkerleistung weiter steuerlich absetzbar

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Foto: Roland Riethmüller

Auch wenn kürzlich wieder einmal über den Steuerbonus spekuliert wurde, das Handwerk steht voll hinter einem der wichtigsten Instrumente zur Senkung der Schwarzarbeit. Denn langfristig bedeuten die geförderten Investitionen für den Staat Steuermehreinnahmen. Dies haben auch unsere Nachbarn erkannt und führen den Steuerbonus ab Juli in Österreich ein. In sofern wäre es sogar sinnvoll, im Hinblick auf die energetische Gebäudesanierung noch mehr Handwerkerleistungen steuerlich absetzbar zu machen.

Es herrscht einige Unruhe in der Republik, nachdem vier Bundesländer einen Gesetzesentwurf in den Bundesrat eingebracht haben, wonach die Handwerkerleistungen künftig erst ab einer Höhe von 300 Euro steuerlich absetzbar sein sollen. Gleichzeitig hat eine vom Bundesfinanzministerium in Auftrag gegebene Studie herausgefunden, dass der Steuerbonus angeblich nicht die gesetzten Ziele erreicht hat, sondern primär Mitnahmeeffekte erzeugt.

Doch der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer stellt klar: „Das Instrument steht entgegen einiger Presseberichte nicht zur Disposition. Aktuelle Wortmeldungen sind voreilig und unreflektiert.“ Auch der Südniedersächsische Handwerkspräsident Delfino Roman äußert Unverständnis: „Dass gerade der SPD-Haushaltspolitiker und Vize-Fraktionschef Carsten Schneider an den mit der Einführung verbundenen positiven Wirkung zweifelt und einen erheblichen Veränderungsbedarf sieht, überrascht mich.“ Schließlich hat der Steuerbonus auf Handwerkerleistungen das Handwerk gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gebracht und maßgeblich zur Stabilisierung der deutschen Wirtschaftsleistung beigetragen. Etwaige Kritikpunkte zum Ausschluss von Mitnahmeeffekten wurden bereits Anfang des Jahres durch das Bundesministerium der Finanzen mit einem neuen Anwendungsschreiben aufgegriffen. Damit sind gesetzlich vorgeschriebene Leistungen von Schornsteinfegern nur noch eingeschränkt in der Steuererklärung zu berücksichtigen und die Tätigkeit eines Gutachters sogar überhaupt nicht mehr als haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich absetzbar. „Auch wenn der Steuerbonus gerne als Subvention dargestellt wird, wäre sein Wegfall nichts anderes als eine Steuererhöhung“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken, Thomas Koller.

Der Steuerbonus auf Handwerkerleistungen wurde 2006 eingeführt und ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern ihre Steuerlast durch Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen zu senken. Demnach sind Arbeitskosten inklusive Umsatzsteuer, allerdings exklusive der Materialkosten steuerlich absetzbar. In 2009 wurde der Steuerbonus für Handwerksleistungen auf 20 Prozent der Aufwendungen verdoppelt, jedoch gedeckelt auf 1.200 Euro im Jahr. So weist die Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. (Lohi) darauf hin, dass neben der Modernisierung oder dem Austausch der Einbauküche oder dem Einbau eines Kachelofens auch die Montage neuer Möbel oder komplette Neubaumaßnahmen als Handwerkerleistungen steuerlich absetzbar sind. Wichtig sei in dem Zusammenhang allerdings, dass die Neubaumaßnahme nicht beispielsweise durch ein zinsverbilligtes Darlehen bereits öffentlich gefördert wurde. Die Leistungen müssen zwingend im eigenen Haus oder Garten erbracht werden, damit die steuerliche Absetzbarkeit besteht. „Werden Türen ausgebaut und zum Abschleifen und Lackieren in die Werkstatt des Handwerkers transportiert, können die Arbeitskosten schon nicht mehr geltend gemacht werden“, erklärt Lohi-Vorstand Gudrun Steinbach.

Darüber hinaus müssen auf der Handwerkerrechnung Arbeits-, Fahrt- und Materialkosten separat ausgewiesen sein. Weiterhin gilt die Pflicht zur Überweisung der Kosten. Bar bezahlte Rechnungen werden trotz korrekter Quittung vom Finanzamt nicht anerkannt.

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb Handwerkerleistungen weiter steuerlich absetzbar und damit als Instrument des Steuerbonus sinnvoll sind. So schätzt der Baden-Württembergische Handwerkstag beispielsweise, dass ca. ein Drittel des Umsatzes im Handwerk durch Schwarzarbeit geleistet wird. Der Steuerbonus schafft den nötigen Anreiz, Handwerkerleistungen legal erbringen zu lassen. „Der Steuerbonus hat nachweislich positive Effekte auf die Sozialkassen und Steuereinnahmen. Jeder Euro, den wir hier investieren, fließt dreifach zurück“, erläutert die Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer zu Leipzig, Kerstin Schultz. Und auch der Präsident des Bayrischen Handwerkskammertages, Heinrich Traublinger, bestätigt: „Der 2006 eingeführte Handwerkerbonus hat massiv dazu beigetragen, die Schwarzarbeit in Deutschland einzudämmen und dem Fiskus und den Sozialkassen dadurch zu Mehreinnahmen verholfen.“

Das Instrument ist immerhin so erfolgreich, dass es bereits Nachahmer gefunden hat. So wird der Steuerbonus für Handwerkerleistungen zum 1. Juli 2014 auch in Österreich nach dem deutschen Vorbild eingeführt. Denn Prof. Dr. Friedrich Schneider von der Universität Linz hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen ermittelt, dass im Nachbarland rund 300 Millionen Euro an Steuerausfällen durch 400 bis 500 Millionen Euro zusätzlicher Steuereinnahmen gedeckt und gleichzeitig die Schattenwirtschaft um 1,9 Milliarden Euro gesenkt werden würde.

Diese Überlegungen sind Anlass genug, darauf hinzuweisen, dass noch mehr Potential im Instrument des Steuerbonus für Handwerkerleistungen steckt. Denn besonders im Hinblick auf die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung zur Energiewende mit der Notwendigkeit, mindestens drei Prozent des Gebäudebestandes in Deutschland zu sanieren, wäre eine Ausdehnung wünschenswert. So kann die Bereitschaft zu höheren Investitionen gefördert werden, wenn sie steuerlich absetzbar sind. Gerade für die energetische Gebäudesanierung könnte die Erhöhung des Satzes für allgemeine haushaltsnahe Dienstleistungen auf 20 Prozent von 20.000 Euro, also einen maximalen Steuerbonus in Höhe von 4.000 Euro einen Anschub bedeuten. „Ein Steuerbonus für die Gebäudesanierung führt nur rechnerisch am Anfang für Bund und Länder zu Mindereinnahmen. Über höhere Steuereinnahmen kommt später mehr Geld in die Kasse, als für den Anschub von privaten Investitionen aufgewendet wurde“, bestätigt Schultz. Denn oftmals wird unterschätzt, dass neben den Unternehmenssteuern, wie Körperschaftssteuer, Einkommensteuer und Gewerbesteuer, auch zusätzliche Einnahmen aus der Lohnsteuer und steigende Beiträge zu den Sozialversicherungen zu erwarten seien.

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