Kaum Recycling-Baustoffe – Ausschreibungen in der Kritik

Kaum Recycling-Baustoffe - Ausschreibungen in der Kritik
Foto: Roland Riethmüller

Die Bauwirtschaft beklagt, dass noch immer die öffentliche Hand die Verwendung von Recycling-Baustoffen ausbremst. Obwohl die rechtlichen Grundlagen für eine Gleichbehandlung gegeben sind, schließen viele Städte und Gemeinden den Einsatz von RC-Baustoffen in Ausschreibungen explizit aus. Bei begrenzten Ressourcen sowie knappen und teurem Deponieraum ist diese Einstellung jedoch nicht nachvollziehbar. Den Lippenbekenntnissen müssen nun politische Taten folgen, fordert die Bauwirtschaft.

In Zeiten knapper Ressourcen ist es wichtiger denn je, das nachhaltige Bauen voranzutreiben und dabei umweltfreundliche Recycling-Baustoffe verstärkt in den Kreislaufzyklus einzubringen. Die Grundlage dafür bietet beispielsweise in Baden-Württemberg das Landeskreislaufwirtschaftsgesetz, nach dem die Recycling-Baustoffe in Ausschreibungen den Primärbaustoffen mindestens gleichgestellt seien. Trotzdem kommen diese bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand noch immer viel zu selten zum Einsatz. Daher beklagt die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg, dass trotz der rechtlichen Grundlage die sogenannten RC-Baustoffe oftmals so gut wie keinen Einzug in die Ausschreibungspraxis halten. “Die Kommunen sind eigentlich angehalten, ihre Ausschreibungen so fassen, dass wiederverwertete Baustoffe und Neumaterialien gleichberechtigt angeboten werden können”, betont Thomas Möller, der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. “Die viel gepriesene Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz bleibt die öffentliche Hand in dieser Hinsicht mal wieder schuldig.”

Recycling-Baustoffe sind in der Praxis bereits bewährt

Dabei konnten gerade im Straßenbau in den vergangenen Jahren sehr gute Erfahrungen mit wiederaufbereiteten mineralischen Bauabfällen gewonnen werden. Durch spezielle Recyclingverfahren können normaler Bodenaushub wie auch Bauschutt und Abbruchmaterial in hoher Qualität aufbereitet werden. Als gütegeprüfter und technisch hochwertiger Baustoff findet das Material beispielsweise in ungebundenen Schichten im tieferliegenden Straßenunterbau Anwendung. “Damit schont man die begrenzt vorhandenen Schotter- und Kiesmengen und minimiert den heimischen Ressourcenverbrauch“, erklärt Möller. „Das Problem: Viele Städte und Gemeinden schließen in ihren Bauausschreibungen explizit den Einsatz von RC-Baustoffen aus. Ein Unding, denn in puncto Sicherheit und Langlebigkeit entsprechen die wiederaufbereiteten Baumaterialien absolut den Primärbaustoffen.“

Statt Lippenbekenntnissen soll die Politik endlich Taten folgen lassen

Alleine in Baden-Württemberg fallen jährlich 50 Millionen Tonnen Abfall an, von denen rund 80 Prozent Bau- und Abbruchabfälle sind. Vor dem Hintergrund begrenzter natürlicher Ressourcen wie auch dem knappen und teurem Deponieraum sei es in der heutigen Zeit ökologisch absolut unsinnig, das Potenzial der mineralischen Bauabfälle nicht zu nutzen. Das gilt ebenso für den Einsatz von ressourcenschonendem Recycling-Beton, der heute bereits in vielen Baumaßnahmen im Hochbau zum Einsatz kommt. “Um beim klimagerechten Bauen schneller voranzukommen, muss die Kreislaufwirtschaft hierzulande dringend gestärkt werden”, fordert Möller. “Was wir brauchen, ist der politische Wille und die Bereitschaft, RC-Baustoffe künftig konsequent in Ausschreibungsverfahren mitzuberücksichtigen. Nur so kann die öffentliche Hand vom ewigen Bremser zum innovativen Vorreiter werden.“

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