Neue Bauproduktenverordnung: Mehr Last als Hilfe am Bau?

Foto: duallogic / envatoelements

Es wird viel über ein nachhaltiges Bauen mit umweltfreundlichen Rohstoffen geredet. Ein solches nachhaltiges Bauen muss aber auch auf Baustellen möglich sein. Es existiert ein riesiges Potenzial, um Abfall zu vermeiden. Dazu bietet die vom Europaparlament verabschiedete Bauproduktenverordnung viele Möglichkeiten. So sollen zum Beispiel erfasste Produkte mit einem digitalen Produktpass versehen werden. Das dürfe allerdings nicht zu Mehrbelastungen der Branche führen.

Es wird zwar immer mehr über nachhaltiges Bauen gesprochen, doch das müsse auch auf den Baustellen umsetzbar sein. So kritisiert der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie (HDH), dass die vom Europaparlament beschlossene Bauproduktenverordnung für eine Nachhaltigkeits-Wende am Bau nicht ausreichend sei. Zudem warnt der Verband vor den Lasten für den Mittelstand. Der Bausektor gehört zu den Bereichen mit den meisten Umweltfaktoren, die durch den Menschen beeinflusst werden. Rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen werden durch den Bau verursacht. Die neue Verordnung setzt nun den Rahmen für Zulassungen von konventionellen Bauprodukten auf Basis fossiler wie auch von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen. „Das Konstruktionsprinzip, unter dem Dach der BauPVO Grundsätzliches zu verankern und Einzelheiten in produktspezifischen Bestimmungen zu regeln, ist richtig“, erklärt HDH-Hauptgeschäftsführer Denny Ohnesorge. „Allerdings darf diese Konstruktion nicht dazu führen, dass die EU-Kommission ohne Rückkopplung mit Fachleuten aus Branchen und Mitgliedstaaten praxisferne Regelungen erlässt.“ 

Sorge um Mehraufwand durch Bauproduktenverordnung

Die neue Bauproduktenverordnung legt fest, dass alle erfassten Produkte künftig mit einem digitalen Produktpass ausgezeichnet werden müssen. So können auf den Baustellen Anleitungen und Hilfsmittel direkt abgerufen werden. Das mag sich praktisch anhören, verursacht aber einen Mehraufwand, betont Ohnesorge. Es dürfe nicht sein, dass die neue Bauproduktenverordnung zu einer Belastung für die Branche wird. „Wichtig ist es, sich auf Kernmerkmale zu fokussieren, die für Sicherheit und Umweltauswirkungen entscheidend sind“, mahnt Ohnesorge. Die Abnehmer müssten die Angaben auf dem Produktpass schnell erkennen können. Für mehr Nachhaltigkeit am Bau sorge die neue Bauproduktenverordnung und die Hersteller müssen diese aufführen. Der HDH mahnt jedoch zu schlanken Anforderungen, die sich auf die Sicherheit und auf den Klimaschutz fokussieren. Entscheidend sei es, dass die sogenannte Graue Energie, die in Bauprodukten versteckt ist, als Maßstab zur Umweltbewertung herangezogen werde. Diese sei aber in der neuen Bauproduktenverordnung noch nicht verankert. Deshalb reiche die neue Verordnung für eine Wende bei der Nachhaltigkeit nicht aus.

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der Artikel ist schön geschrieben, inhaltlich aber sehr unvollständig. Beispielsweise fehlt die Information dass Bauprodukte künftig fremdzertifiziert und fremdüberwacht werden müssen was gegenüber bisher eine massive Mehrkostenbelastung darstellt und vielfach mangels Personal in den „notrifizierten Stellen“ gar nicht möglich ist. Was wiederum eine massive Marktbeschränkung zur Folge hat.

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