Neue Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie erhöht Bauzurückhaltung

Neue Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie erhöht Bauzurückhaltung
Foto: Roland Riethmüller

Energetisches Bauen und Sanieren wird wegen der Änderung der Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie künftig teurer werden. So strebt das EU-Parlament höhere Ziele an als die Mitgliedstaaten und die EU-Kommission. Denn anstatt die Regeln abzuschwächen, einigte sich der Industrieausschuss auf noch strengere Regeln als die EU-Kommission. Schwachpunkt ist jedoch, dass es in der EU keine einheitlichen Richtlinien von Mindeststandards gibt. Das erhöht die Baukosten und verstärkt die Bauzurückhaltung.

Energetisches Bauen und Sanieren wird künftig komplexer und damit auch teurer werden. So könnte man das Ergebnis des verabschiedeten Berichtsentwurfs zusammenfassen.  „Die Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie soll mit weiteren Themen angereichert werden, auch solchen, die nicht unmittelbar gebäudebezogen sind”, bemängelt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). “Das sind etwa Quartierslösungen und grüne Infrastruktur.“ Dabei werden auch die angestrebten Energieeffizienzziele für Hauseigentümer deutlich teurer werden. Neue Gebäude, die von der öffentlichen Hand genutzt werden, müssen als Nullemissions-Gebäude gebaut werden. Das gilt ab dem Jahr 2026.

Bauzurückhaltung wird durch Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie noch verstärkt

Dies wird voraussichtlich die Bauzurückhaltung noch verstärken. „Klimaschutz ist richtig, Bauen und Renovierung müssen aber machbar bleiben“, fordert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). „Die größte Herausforderung sind die Anforderungen an die Renovierung des bestehenden Gebäudebestands in den kommenden Jahren, um ein ähnliches Niveau wie bei Neubauten zu erreichen.“ Geht es nach dem angenommenen Vorschlag, dann sollen alle neuen Bauten ab dem Jahr 2028 frei von Emissionen sein. Neue öffentliche Gebäude müssen schon zwei Jahre früher emissionsfrei sein. Ein großes Problem besteht jedoch darin, dass in den Mitgliedsländern der EU unterschiedliche Berechnungsmethoden sowie Energieeffizienzklassen bestehen. Zunächst sollte hier eine Einigung erzielt werden. „In der aktuellen Wohnungsbaukrise sind Richtlinien, die das Bauen teurer machen, absolutes Gift”, bestätigt auch Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). “Die verschärften Anforderungen, die die EU vorsieht, müssen durch eine erhöhte Förderung unterstützt werden. Es muss jetzt verstärkt die Bezahlbarkeit von Wohnraum in den Fokus gerückt werden – auf nationaler wie auf EU-Ebene.“ Bei der neuen Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie sieht das jedoch anders aus. Mit seinen Mindestanforderungen setzt das EU-Parlament auf eine Sanierungspflicht für den ineffizientesten Gebäudebestand.

Erste Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden

Ein erster Schritt auf europäischer Ebene geht in Richtung Lebenszyklusbetrachtung von Bauwerken. Zukünftig soll die „graue Energie“ eines Gebäudes offengelegt werden. Unterstützung kommt dabei von der Bauindustrie. Allerdings sollte dies sehr früh gemacht werden, damit bereits in der Planung Einfluss auf den CO2-Fußabdruck genommen werden kann. Der Plan der EU ist somit zu kurz. Das EU-Parlament legt außerdem großen Wert auf Quartiersansätze. Hier sollen mehrere Gebäude effizient saniert werden und an effiziente Heiz- und Kältesysteme angeschlossen werden.

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