Kürzlich haben wir in Deutschland ein Vierteljahrhundert Wiedervereinigung gefeiert. Doch auch 25 Jahre nach dem Mauerfall sind beide Teile Deutschlands wirtschaftlich noch immer nicht auf gleicher Höhe. Weder das Bruttoninlandsprodukt noch die Lebenshaltungskosten sind angeglichen. Zwar stieg auch im Osten die Wirtschaft, jedoch bei weitem nicht so stark wie im Westen.
Laut Untersuchung des ifo Instituts liegt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf dem Gebiet der ehemaligen DDR 34 Prozent unter dem der alten Bundesländer mit dem Westteil Berlins. Von einem Angleichen der Lebensverhältnisse kann also keine Rede sein. Im Gegenteil: Während die Wirtschaft in den alten Bundesländer um 27 Prozent zugelegt hat, betrug das Wachstum in Ostdeutschland lediglich 20 Prozent.
Im Vergleich zwischen den alten und neuen Bundesländern wird der Rückstand von Ostdeutschland besonders deutlich. Zwar stieg die Wirtschaftskraft im ersten Jahr nach der Wiedervereinigung erst mal von einem Wert vergleichbar mit dem der alten Bundesländer vor vierzig Jahren an. Doch ist das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner seit 1991 im Osten auf dem Niveau der alten Bundesländer vor dreißig Jahren und steigt seit dem lediglich parallel zur Entwicklung in Westdeutschland. Eine Annäherung an das Westniveau findet also praktisch nicht statt. Dabei ist besonders beunruhigend, dass dieser Anstieg auch eher auf den Bevölkerungsrückgang als auf ein höheres Wirtschaftswachstum zurückzuführen ist.
Trotz unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Schwerpunkte sind die Unterschiede im Wachstum der ostdeutschen Bundesländer minimal. Ganz im Gegensatz zur Entwicklung in Westdeutschland, wo die Länder seit 1970 ein sehr unterschiedliches Wachstum aufweisen. So ist die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in Bayern und Hessen überproportional gewachsen, während sie in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein gesunken ist. Relativ unverändert ist die Entwicklung in Niedersachsen, Baden-Württemberg und im Saarland. Einen hohen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg einer Region haben auch städtische Zentren und Ballungsgebiete, über die Ostdeutschland nicht in ausreichendem Maße verfügt.
Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung, so wird deutlich, dass große Teile Ostdeutschlands auch in Zukunft zu den strukturschwachen Gegenden Deutschlands gehören werden. Denn außer Brandenburg leiden alle neuen Bundesländer unter akutem Bevölkerungsschwund. Gerade wegen eines Rückgangs der Geburten und der Abwanderung erwerbsfähiger junge Menschen wird die wirtschaftliche Entwicklung, vor allem durch den Wegfall von Kaufkraft, noch stärker gedämmt.

















