Preisschock am Bau – Bauzulieferindustrie beklagt Rückgang

Foto: prathanchorruangsak / envatoelements

Nach 15 Jahren Bauboom ist die Baubranche nun in einer Krise. Das bekommt auch die Bauzulieferindustrie zu spüren. Gleichzeitig steigt besonders in den Ballungsgebieten die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen. Hervorgerufen wurde dieser Zustand nicht durch einen Rückgang der Nachfrage, sondern durch den Preisschock. Auswirkungen hat auch der Fachkräftemangel und die fehlende Nachbesetzung der in Renten gehenden Fachkräfte aufgrund des Fachkräftemangels.

Erwiesenermaßen ist der große Bauboom zu Ende und die Baubranche in der Krise. Zusätzlich hat die Zinswende dafür gesorgt, dass die Gesamtkosten stark angestiegen sind. Weitere Gründe sind der Ukraine-Krieg, die damit verbundene Explosion der Energiekosten und die weltweite Zunahme von Zöllen und Handelsbeschränkungen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, besonders in den Ballungsgebieten, sehr stark angestiegen. Hinzu kommt die Nachfrage nach einem klimaneutralen Gebäudebestand. Die Krise ist also nicht durch einen Nachfragerückgang wie damals in den USA zurückzuführen, sondern der Preisschock ist schuld an der Misere. „Wir bauen einen immer größeren Nachfrageüberhang im Gebäude- und Infrastruktursektor auf, gleichzeitig kann er aufgrund zu hoher Kosten und vor allem politischer Unsicherheit nicht bedient werden“, bestätigt Christoph Blepp, Partner bei S&B Strategy. Es sei daher nur eine Frage der Zeit, bis die Nachfrage nach Wohnraum zu hoch werde, sodass höhere Preise durch Steuergelder auf politischer Ebene akzeptiert oder dass die Baukosten gesenkt werden würden.

Aktuelle Entwicklung in der Bauzulieferindustrie

Betrachtet man die Lage der Bauzulieferindustrie, entsteht der Eindruck, dass die Krise die gesamte Bauwirtschaft betreffe. Man sollte jedoch genauer hinsehen. Die größten Treiber der Krise sind die Zinswende und die Subventionspolitik. Die Auswirkungen davon kommen jetzt früher zum Tragen, diese wären sonst erst in einigen Jahren aufgetreten. Nachhaltiges Bauen ist so alt wie das Bauwesen und die Gebäude sind im Laufe der Zeit immer nachhaltiger geworden. Das 21. Jahrhundert hat diesen Begriff jedoch auf CO2-Neutralität verschoben und die politischen Vorgaben werden immer umfangreicher. Das betrifft auch die Bauzulieferindustrie. Der Fachkräftemangel wirkt sich ebenfalls aus, denn Tunnel, Gebäude und Brücken werden immer komplexer. Das bedeutet gleichzeitig, dass auch die Anforderungen an das Personal steigen. Hinzu kommt, dass das in Rente gehende Personal nicht mehr ersetzt werden kann. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten immer weiter. Unterschätzt wurden aber auch BIM, Robotik und 3D-Druck. Bisher haben sich diese kaum bemerkbar gemacht. Die Digitalisierung hält zwar Einzug in die Bauwirtschaft, aber immer noch recht schleppend.

Bauzulieferindustrie – Robotik, die verkannte Technologie

Trotzdem spielt Robotik noch eine untergeordnete Rolle. Doch in manchen Gewerken wird diese verkannte Technologie bereits eingesetzt und hat dort schon die Produktivität gesteigert. Unternehmen, die ein veraltetes Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen, werden die Gewinner sein. Davon wird auch die Bauzulieferindustrie profitieren. Es muss lediglich die Bereitschaft vorhanden sein, auf alte Geschäftsmodelle zu verzichten. Denn aufgrund der Nachfrage nach klimaneutralem, recyclebarem Gebäudebestand sind veraltete Geschäftsmodelle nicht mehr konkurrenzfähig. Eine der großen Gewinner der letzten Jahre war die Bauzulieferindustrie vornehmlich aus der Bauchemie-, Baustoff- und Bauelemente-Industrie. Schon jetzt positioniert sich eine Reihe von jungen Unternehmen, die die Spielregeln neu schreiben. Doch es bedarf Unternehmergeist, ansonsten werden diese Unternehmen schnell wieder vom Markt verschwinden. Die Baubranche einschließlich der Bauzulieferindustrie ist zwar in einer Krise, aber die jetzige Transformationsphase ist bedeutend für die Zukunft. Es ist an der Zeit, ein neues Kapitel in der Geschichte der Bauwirtschaft zu beginnen. Dann kommt auch die Bauzulieferindustrie wieder in Schwung.

Kommentare

0 0 votes
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse 2024

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2024 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.