Preissteigerung: Inflation belastet Handwerk mehr als Abnehmer

Preissteigerung: Inflation belastet Handwerk mehr als Abnehmer
Foto: Roland Riethmüller

Das Handwerk ist nicht nur von den gestiegenen Verbraucherpreisen getroffen, auch weitere Belastungen machen erheblich zu schaffen. So treffen vor allem die Teuerung beim Mineralöl, bei Stahl und anderen Baumaterial das Handwerk schwer. Zur Inflation kommt aber auch noch die Baustoffknappheit hinzu. Diese Preissteigerungen wirken sich negativ auf die Kunden und das Handwerk aus. Praktisch alle Bereiche im Baugewerbe sind von den gewaltigen Preissteigerungen betroffen.

Im März dieses Jahres stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent. Doch nicht nur die Verbraucher leiden unter den gestiegenen Preisen. So belasten die allgemeinen Preissteigerungen in hohem Maße auch die Betriebe. Das Handwerk ist sogar stärker von der Inflation betroffen, als die Verbraucher. Denn im gleichen Zeitraum sind auch die Großhandelspreise um 22,6 Prozent gestiegen. Beim Mineralöl betrug die Steigerung 70 Prozent, Stahl und anderes Baumaterial hat sich um 56 Prozent verteuert. „Das ist ein Preisvolumen, das unweigerlich zur Anhebung der Preise in vielen Handwerken führen wird“, befürchtet Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle. Bisher sind zwar noch keine Abmeldungen in der Handwerksrolle zu verzeichnen, wenn jedoch die Hochpreisphase länger andauert, sind die Reserven bei den kleinen und mittleren Betrieben schnell verbraucht.

Neben der Inflation machen Versorgungsengpässe besonders zu schaffen

Doch nicht nur die Inflation macht der Baubranche zu schaffen, sondern auch die Versorgungsengpässe. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München (Ifo-Institut). Demnach melden 37,2 Prozent der Betriebe allgemeine Beeinträchtigungen. 31,5 Prozent der Unternehmen leiden konkret unter den Lieferengpässen. „Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat zu einer hohen Unsicherheit mit Blick auf die Lieferketten geführt“, bestätigt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. „Die Materialpreise für viele Rohstoffe schwanken in Folge des Krieges deutlich stärker. Zudem beziehen viele Unternehmen Vorprodukte aus Russland oder der Ukraine. Das erschwert die Bauplanung“, ergänzt Wohlrabe.

Besorgniserregende Entwicklung der Preissteigerung

Längst ist die Entwicklung in der Ukraine aber auch bei den Betrieben in der Fläche angekommen, wie beispielsweise im Bereich Rhein-Neckar-Odenwald. Durch die massiven Preissteigerungen lassen sich die Preise nicht mehr kalkulieren. “Bau- und Ausbaugewerke, der Elektro- und Metallbereich spüren immense Materialpreissteigerungen und Lieferengpässe. Aber im Grunde genommen sind nahezu alle Bereiche des Handwerks von gewaltigen Teuerungen betroffen“, erklärt Klaus Hofmann, der Präsident der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald. „Es ist noch nicht abzusehen, wohin dies für Betriebe und Kunden führt.“ So berichtet beispielsweise ein dort ansässiger Bauunternehmer, dass er das in 40 Jahren noch nicht erlebt hätte. Er befürchtet, dass es trotz voller Auftragsbücher zu Kurzarbeit kommen könne. Die Preissteigerungen beim Betonstahl von 300 Prozent sind eindeutig. Die Inflation macht jedoch nicht beim Betonstahl Halt. Aktuell sind auch Preisanstiege bei Dichtungen und Werkstoffen auf Bitumenbasis in Höhe von 50 Prozent zu bemerken. Beim Holz gibt es ebenfalls Teuerungen. Außerdem sind die Lieferketten teilweise komplett unterbrochen, weil kein Holz aus der Ukraine, Russland und Weißrussland geliefert wird. Im Moment herrscht in der gesamten Baubranche eine große Unsicherheit.

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