Der politische Wille scheitert oft am Regelwerk. So bremsen veraltete Regularien den Einsatz von Sekundärrohstoffen. Weil die Konzepte zur Bewertung nicht mehr zeitgemäß sind, wird der Einsatz von industriell hergestellten Gesteinskörnungen behindert. Aus diesem Grund plädieren sechs Unternehmen und Verbände für einen regulativen Anpassungsbedarf. In der Stellungnahme wird auf einen widersprüchlichen Status Quo hingewiesen. Außerdem weisen die Initiatoren darauf hin, dass eine effektive Nutzung der Sekundärrohstoffe ein einheitliches Regelwerk voraussetzt.
Sekundärrohstoffe führen erwiesenermaßen zu mehr Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung. Doch häufig wird ihr Einsatz durch veraltete Regularien behindert. Sechs Unternehmen und Verbände fordern aus diesem Grund eine neue Bewertung der Umweltverträglichkeit. Zu den Partnern des Bündnisses gehören die Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlung in Deutschland ITAD, Afarak Elektrowerk Weisweiler, die Interessengemeinschaft der Aufbereiter und Verwerter von Müllverbrennungsschlacken IGAM, das FEhS – Institut für Baustoff-Forschung, Aurubis und Peute Baustoff. Laut den Unterzeichnern erfordert der Einsatz von Sekundärrohstoffen ein praxisorientiertes Regelwerk. Veraltete Regelungen hemmen die Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung. Das Kabinett der scheidenden Bundesregierung hat am 4. Dezember 2024 die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen. Die Experten für Nebenprodukte vermissen jedoch rechtssichere, verbindliche Vorgaben.
Praxisorientierte Bewertung von Rohstoffen für mehr Nachhaltigkeit
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die einheitliche und praxisorientierte Bewertung der Umweltauswirkung von Rohstoffen unabhängig ihrer Herkunft. „Aus unserer Sicht bleibt die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie deutlich hinter dem zurück, was für eine in der Praxis wirksame und zukunftsweisende Förderung von Sekundärrohstoffen notwendig ist“, erklärt Thomas Reiche, Geschäftsführer des FEhS – Institut für Baustoff-Forschung. „So hätten wir uns gewünscht, dass die Ergebnisse des Abschlussberichts der vom Bundeswirtschaftsministerium initiierten Dialogplattform Recyclingrohstoffe der Deutschen Rohstoffagentur im August 2023 wie auch unsere Kernforderungen für ein nachhaltiges Ressourcenmanagement für die Nebenprodukte der Stahlindustrie hinreichend berücksichtigt worden wären.“
Sekundärrohstoffe werden widersprüchlich verwendet
Bereits seit langer Zeit werden Sekundärrohstoffe im Straßen-, Wege- und Wasserbau verwendet und haben sich dort erfolgreich etabliert. Die Bewertung der Umweltverträglichkeit erfolgt durch das Auslaugverfahren. Seit dem 1. August 2023 ist die Ersatzbaustoffverordnung (EBV) maßgeblich. Andere Maßstäbe gelten jedoch beim Einsatz der Sekundärrohstoffe als Gesteinskörnung in Beton. Das führt jedoch zum Ausschluss bestimmter Sekundärrohstoffe für diesen Baustoff. Dabei gilt diese Einschränkung auch beim Einsatz dieser Rohstoffe als Zementbestandteil oder Betonzusatzstoff. Das führt zu Widersprüchen. Im Verkehrswegebau darf das Material eingesetzt werden, bei Bauprodukten ist es als Bestandteil jedoch ausgeschlossen. Der Hauptgrund für dieses Vorgehen liegt bei einer „Schadstoffanreicherung im Wertstoffkreislauf“. Das gilt auch für Sekundärrohstoffe, von denen nachweislich keine toxische Wirkung ausgeht. Es gibt keine Beweise dafür, dass eine Überschreitung der festgelegten Feststoffgrenzwerte eine Gefahr für Mensch, Boden oder Grundwasser darstellt. Eine Gefahr würde dann vorliegen, wenn ein ungehinderter Verlauf eines Geschehens einen Schaden an einem der Schutzgüter verursachen würde. Die jetzigen Feststoffgrenzwerte basieren auf einer vagen Besorgnis der Gefahren und sind nicht wissenschaftlich bewiesen.
Nachhaltiger Materialeinsatz durch Förderung der Sekundärrohstoffe
Der Ausschluss industrieller Gesteinskörnungen steht damit in krassem Widerspruch zu den Zielen der Kreislaufwirtschaft. Eine effiziente Ressourcenschonung wird dadurch behindert. Im Gegenzug werden natürliche Rohstoffe ungebremst abgebaut. Diese natürlichen Ressourcen werden dadurch belastet und sorgen für mehr CO2-Ausstoß. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die Anforderungen an die Verwendung der Sekundärrohstoffe zu überarbeiten. Im Vordergrund darf nicht die Bewertung stehen, sondern das fertige Bauprodukt.

















