Tarifverhandlung Bauhauptgewerbe – ohne Ergebnis abgebrochen

Tarifverhandlung Bauhauptgewerbe - ohne Ergebnis abgebrochen
Foto: Roland Riethmüller

Die zweite Verhandlungsrunde der diesjährigen Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe ist ohne Einigung abgebrochen worden. Die Arbeitgeber waren bemüht, eine annehmbare Lösung zu finden. Doch die Vertreter der Arbeitnehmerseite versuchten, über ungekündigte Rahmentarife zu verhandeln. Daraufhin hat die Arbeitgeberseite die Tarifverhandlungen vorzeitig abgebrochen, was zu Unverständnis bei den Arbeitnehmervertretern geführt hat. Nächste Woche wird in der Bundestarifkommission über ein weiteres Vorgehen beraten.

Der derzeit gültige Tarifvertrag im Bauhauptgewerbe endet am 30. Juni 2021. Daher wurden vor einiger Zeit die Gespräche zur Neuverhandlung aufgenommen. Nachdem jedoch am ersten Verhandlungstag ergebnislos vertagt wurde, fand auch die Tarifverhandlung Anfang dieser Woche ein jähes Ende. Der Grund des abrupten Abbruchs der Tarifverhandlungen war die Wegstreckenentschädigung. In der Tarifrunde 2020 war bereits verhandelt worden, dass Lösungsvorschläge entwickelt werden sollen. Ein entsprechendes Abschlusspapier liegt den Gremien daher zur Beratung vor. Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite und Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) erklärte: „Nachdem wir bereits in der ersten Verhandlungsrunde unsere Kompromissbereitschaft signalisiert haben, haben wir heute nochmals unser Interesse an einer Lösung bekundet.“ Weiter betonte er, dass die Gewerkschaft von der eigentlichen Diskussion um die Entgeltfrage abgelenkt habe, um stattdessen die Frage der Wegstreckenentschädigung zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Jutta Beeke, Vizepräsidentin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), erklärte, dass man gerne zu einer Einigung gekommen wäre. Dies wurde aber von der Gewerkschaft ignoriert. Die Arbeitgeberseite hat jetzt einen dritten Verhandlungstag angeboten.

Unverständnis auf Arbeitnehmerseite

„Es herrscht bei uns völliges Unverständnis darüber, dass die Arbeitgeber die für ursprünglich zwei Tage angesetzten Tarifverhandlungen heute am frühen Nachmittag unterbrochen haben”, erklärte Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und Führer der Verhandlungskommission. “Das gab es noch nie, dass die Arbeitergeberseite so unvorbereitet in die Gespräche gegangen ist.“ Weiter bemängelte er, dass keine der gestellten Fragen auch nur im Ansatz beantwortet wurden. Außerdem sei nicht nachzuvollziehen, welchen Sinn der neue Verhandlungstermin im August machen würde. Bis dahin würde sich nichts ändern. Das Ziel des neuen Verhandlungstermins diene nur dem Zweck, die Tarifverhandlung in die Länge zu ziehen. Während dieser Zeit gäbe es auch keine Tariferhöhung.

Höherer Tariflohn und Entschädigung der Wegezeiten

Aufgrund des anhaltenden Baubooms fordert die IG BAU 5,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten am Bau. Außerdem wird eine Entschädigung für die langen Anfahrtszeiten zu den Baustellen gefordert, sowie eine Angleichung der Ost-Einkommen an West-Niveau. Am kommenden Mittwochen entscheidet die IG BAU in der Sitzung der Bundestarifkommission über das weitere Vorgehen.

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