Trotz hoher Potenziale: Haus- und Gebäudetechnik schwächelt

Foto: KostiantynVoitenko / envatoelements

Die Haus- und Gebäudetechnik in Deutschland boomte im Jahr 2023: Mit einem Rekordumsatz von 80,3 Milliarden Euro und 546.000 Beschäftigten lag sie europaweit an der Spitze. Trotz Herausforderungen und Neubaurückgängen bieten Segmenttrends wie Heizungsmodernisierungen und Badrenovierungen großes Potenzial. Trotzdem ist für das Jahr 2024 mit einem deutlichen Rückgang zu rechnen. Dabei zeigt sich eine unterschiedliche Entwicklung bei den verschiedenen Segmenten. 

Dem Bereich der Haus- und Gebäudetechnik konnten im Jahr 2023 insgesamt rund 49.500 Unternehmen zugeordnet werden. Die Zahl der Beschäftigten ist dabei weiter gestiegen und lag bei 546.000 Mitarbeitern. Somit waren in diesem Bereich im vergangenen Jahr 13.000 Mitarbeiter mehr beschäftigt, als noch im Jahr 2020. Für das laufende Jahr 2024 rechnet man mit nochmals leicht steigenden Beschäftigungszahlen. Im Vergleich zum Vorjahr 2022 verzeichnete der Wirtschaftsbereich Haus- und Gebäudetechnik im Jahr 2023 eine Steigerung des Umsatzes in Höhe von 6,8 Prozent. Insgesamt konnten die Unternehmen in diesem Wirtschaftsbereich damit einen Umsatz von 80,3 Milliarden Euro erwirtschaften. Damit liegt die Haus- und Gebäudetechnik in Deutschland europaweit auf dem ersten Platz. Auf dem zweiten Platz landete Frankreich mit 37,4 Milliarden Euro und auf dem dritten Platz das Vereinigte Königreich mit 30,2 Milliarden Euro. 

Verunsicherung bei vielen Eigenheimbesitzer

Es zeigt sich jedoch eine unterschiedliche Entwicklung in den jeweiligen Segmenten in Deutschland. Obwohl viele Eigenheimbesitzer durch die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) verunsichert sind, konnte sich der Bereich Heizung als wahrer Umsatztreiber erweisen. So profitierten die Bereiche Heizung, Lüftung, Klima und Gebäudeautomation von einem deutlichen Wachstum in Höhe von 11,9 Prozent. Diese positive Entwicklung verdankt das Segment den staatlichen Förderungen und dem Wunsch der Eigenheimbesitzer nach reduzierten Energiekosten und Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Der Sanitärbereich hat sich dagegen im Jahr 2023 schwächer entwickelt und musste einen Rückgang von 1,9 Prozent hinnehmen. Aufgrund der deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten haben viele Auftraggeber ihre Maßnahmen im Badezimmer dadurch verschoben oder sogar ganz darauf verzichtet. 

Haus- und Gebäudetechnik, die ernüchternde Prognose 2024

Auch in diesem Jahr befindet sich die Haus- und Gebäudetechnik in einem schwierigen Marktumfeld. Beim Neubau sind erhebliche Rückgänge zu verzeichnen. Das betrifft den Wohnbereich und den Nichtwohnbereich. Über alle Segmente hinweg wird insgesamt in der Haus- und Gebäudetechnik mit einem Umsatzrückgang von 3,0 Prozent gerechnet. Grund dafür ist die sinkende Nachfrage beim Heizungsaustausch. Viele Sanierer haben sich im Vorjahr bereits für Heizungsmodernisierungen entschieden. Im ersten Halbjahr ist nun ein deutlicher Rückgang im Bereich Wärmeerzeugung festzustellen. Für das laufende Jahr wird mit einem rückläufigen Umsatz im Heizungssektor in Höhe von minus 4,7 Prozent gerechnet. Im Inland erwartet man eine negative Entwicklung von minus 4,4 Prozent. Aufgrund der Preissteigerungen dürfte der Umsatz voraussichtlich noch schlechter ausfallen. Dagegen gibt es im Sanitärbereich positive Impulse. Vermehrte Sanierungsaktivitäten sind im Badbereich festzustellen. Damit liegt die Umsatzerwartung bei 0,3 Prozent. Denn eine Grundlagenstudie zeigt, dass 18 Prozent der Bäder in Deutschland renoviert werden müssten. Das sind rund sieben Millionen Bäder. Jeder vierte Wohnungseigentümer rechnet mit einer Renovierung der Badezimmer in den nächsten Jahren.  “Die Branche steht vor der bedeutenden Herausforderung, sich an die veränderten Marktbedingungen anzupassen”, erklärt Jens Wischmann, Geschäftsführer der Branchenverbände VDS – Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft und VdZ – Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie. “Wir müssen einerseits die Verunsicherung der Verbraucher infolge der Novellierung des GEG abbauen und andererseits die erheblichen Auswirkungen der schwachen Neubaukonjunktur auf die Haus- und Gebäudetechnik bewältigen. Es ist entscheidend, jetzt neue Wege zu finden, um zukünftige Entwicklungen positiv zu gestalten.“

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