Wohnungsbau als Konjunkturmotor: Bauwirtschaft fordert Reformen

Foto: Roland Riethmüller

Die Bauwirtschaft fordert einen politischen Kurswechsel, um Wohnungsbau, Infrastruktur und Wirtschaftswachstum wieder in Schwung zu bringen. Angesichts der anhaltenden Wohnungsbaukrise, schwacher Konjunktur und hunderttausender fehlender Wohnungen sehen Verbände und Gewerkschaften enormes Potenzial in zusätzlichen Bauinvestitionen. Schnellere Genehmigungen, bessere Förderprogramme und der Abbau von Investitionshemmnissen sollen dazu beitragen, freie Kapazitäten auf den Baustellen zu nutzen und die Bauwirtschaft wieder zum Konjunkturmotor Deutschlands zu machen. 

Deutschland kämpft weiterhin mit den Folgen mehrerer wirtschaftlich schwieriger Jahre. Nach Einschätzung der Bauwirtschaft droht die Wachstumsschwäche auch im laufenden Jahr 2026 anzuhalten. Gleichzeitig verschärft sich die Wohnungsnot in vielen Regionen. Während Experten einen Bedarf von rund 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr sehen, blieb die tatsächliche Fertigstellungszahl zuletzt deutlich darunter. Die Folge sind steigende Mieten, fehlender Wohnraum und eine zunehmende Belastung für Wirtschaft und Gesellschaft.

Bauwirtschaft sieht sich als Konjunkturmotor

Angesichts schwachen Wirtschaftswachstums, einer anhaltenden Wohnungsbaukrise und großer Investitionsbedarfe bei Infrastruktur und Energieversorgung sehen die Sozialpartner der Branche vor diesem Hintergrund enormes Potenzial, um die Gesamtkonjunktur anzukurbeln. Nach dem Willen von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Branchenverbänden kann die Bauwirtschaft zu einem zentralen Motor für die wirtschaftliche Erholung Deutschlands werden. Gemeinsam fordern sie deshalb gezielte politische Maßnahmen, um Investitionen schneller auf die Baustellen zu bringen. Zum gestrigen Sozialpartner-Dialog im Bundeskanzleramt haben dazu die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) eine gemeinsame Position veröffentlicht. Unter dem Titel „Bauen ist Konjunkturpolitik – Wie die Bauwirtschaft Deutschland aus der Stagnation führen kann und was dafür nötig ist“ skizzieren die Sozialpartner einen Weg aus der wirtschaftlichen Flaute. Die Argumentation der Verbände stützt sich darauf, dass kaum ein anderer Wirtschaftszweig Beschäftigung, Wertschöpfung und gesellschaftlichen Nutzen in vergleichbarer Weise verbindet. Rund 2,6 Millionen Menschen arbeiten direkt oder indirekt in der Bauwirtschaft. Zudem bestehen derzeit sowohl im Hochbau als auch im Tiefbau freie Kapazitäten, die kurzfristig aktiviert werden könnten. Jeder zusätzliche Bauauftrag würde nicht nur Handwerksbetriebe und Bauunternehmen beschäftigen, sondern auch zahlreiche Zulieferer und Dienstleister entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärken.

Forderungen für mehr Wohnungsbau

Um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln, schlagen die Bündnispartner mehrere konkrete Maßnahmen vor. Dazu gehören bessere Förderbedingungen für klimafreundliche Neubauten, eine Ausweitung steuerlicher Abschreibungen sowie Sonderregelungen für bereits genehmigte, aber noch nicht gestartete Bauprojekte. Allein bei diesen sogenannten Bauüberhängen sehen die Partner erhebliches Potenzial, um kurzfristig zusätzliche Wohnungen zu schaffen. Darüber hinaus fordern die Sozialpartner eine stärkere Förderung des Wohneigentums. Vorgeschlagen werden unter anderem Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer und ergänzende Finanzierungsinstrumente für Haushalte mit mittleren Einkommen. Auch der soziale Wohnungsbau soll dauerhaft gestärkt werden.

Infrastruktur und Genehmigungen im Fokus

Neben dem Wohnungsbau sehen alle Beteiligten erheblichen Handlungsbedarf bei der Modernisierung der Infrastruktur. Investitionen in Verkehrswege, Energieversorgung und Digitalisierung gelten als Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig müsse der Staat Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigen. Digitale Prozesse und die bundesweite Anerkennung von Typengenehmigungen könnten nach Ansicht der Bauwirtschaft wichtige Hebel sein, um Projekte schneller umzusetzen. Dabei ist die gemeinsame Botschaft der Sozialpartner eindeutig: Investitionen in den Wohnungsbau und die Infrastruktur sollen nicht nur die aktuelle Baukrise überwinden, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands nachhaltig stärken. Die Bauwirtschaft versteht sich dabei als Schlüsselbranche für Wachstum, Beschäftigung und Zukunftsfähigkeit.

Kann die Bauwirtschaft Deutschlands Wirtschaft wieder ankurbeln?

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Dieser Artikel spricht die Richtigen Themen an! Es ist jedoch auch erforderlich ein sehr hohes Tempo zu gehen. Leide drohen Strukturen in der Immobilienwirtschaft verloren zu gehen die über sehr viele Jahre mühsam neu aufgebaut werden müssen. Liebe Bundesregierung, beenden Sie den Parlamentsschlaf und kommen Sie in die Gänge für Deutschland! Jean-Paul Hohr Projektentwickler Köln

Hierzu auch:

Baukosten senken – Potenziale nutzen: ein Drittel Einsparung möglich
Die Initiative kostenreduziertes Bauen (Hamburg) hat in den drei Handlungsfeldern; Kostenreduzierende Baustandards, Optimierte Planung und Prozesse sowie Beschleunigte Verfahren Kosteneinsparpotenziale ermittelt, die es ermöglichen, Baukosten um bis zu 2.000 Euro brutto pro m² Wohnfläche zu senken.
https://www.bezahlbarbauen.hamburg/baukosten-senken-potenziale-nutzen-ein-drittel-einsparung-moeglich-1016028

Aber die Verbesserung bzw. Veränderung der Prozesse im Bauwesen wird schon seit Jahren eingefordert.

Geringe operative Leistungsfähigkeit und Produktivität. (McKinsey)
https://www.mckinsey.de/news/presse/infrastruktur-und-wohnen-deutsche-ausbauziele-in-gefahr
Geringer Wertschöpfungsgrad von ca.30% (Roland Berger)
file:///C:/Users/Win10%20Pro%20×64/Documents/B.M/Eigene%20Bilder/dokumente/roland_berger_digitalisierung_bauwirtschaft_final.pdf
Exorbitante Fehlerquote (BauInfoConsult),
https://bauinfoconsult.de/presse-fehlerkosten-am-bau-in-2021-mit-rund-165-milliarden-immer-noch-zu-hoch/
also verbauter Schaden der wieder korrigiert werden muss.
(2020 ca.18,0 Milliarden Euro, 2021 ca.16,5 Milliarden Euro und 2022 ca.13,0 Milliarden Euro),

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