Wohnungsnot lösen: Warum Bestand den Neubau verdrängt

Foto: xapdemolle / envatoelements

Aktuell wächst die Zahl stockender Bauprojekte, während der Bedarf an Wohnraum weiter steigt. Der klassische Neubau gerät durch steigende Baukosten, hohe Zinsen und strenge Auflagen immer stärker unter Druck. Gleichzeitig schlummert enormes Potenzial im Bestand: Leerstehende Büroflächen, Altbauten und Gewerbeimmobilien bieten neue Chancen. Dadurch wird die Revitalisierung von Bestandsgebäuden für Bauunternehmen und Handwerk immer mehr zur wirtschaftlichen und klimafreundlichen Alternative zum Neubau.

Die Wohnungsnot in Deutschland spitzt sich weiter zu. Doch die einseitige Fokussierung auf den Neubau greift aus Sicht der Baubranche zu kurz. Stattdessen rückt ein anderer Ansatz in den Mittelpunkt, nämlich die konsequente Nutzung vorhandener Gebäude. Schließlich bergen leer stehende Büroflächen, brachliegende Industrieareale und sanierungsfähige Altbauten erhebliche Potenziale, die bislang vielfach ungenutzt bleiben. Trotzdem zielen die politischen Programme und Fördermaßnahmen weiterhin stark auf Neubauprojekte ab. Deren wirtschaftliche Rahmenbedingungen geraten jedoch zunehmend unter Druck und erschweren mit steigenden Baukosten, hohen Finanzierungskosten und komplexen Auflagen die Umsetzung vieler Projekte. Gleichzeitig wächst der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ungebremst weiter. In dieser Situation gewinnt die Aktivierung des Bestands als logische Konsequenz an Bedeutung, und zwar nicht nur als Ergänzung, sondern als zentrale Strategie.

Bestandsgebäude als wirtschaftliche Alternative

„Wir brauchen keinen Neubau-Boom – wir brauchen einen Bestands-Boom“, erklärt Christian Baierl, Vorstand der renaissance Immobilien und Beteiligungen AG. „Der Bestand ist die Lösung.“ Diese Einschätzung spiegelt eine Entwicklung wider, die viele Bauunternehmen und Handwerksbetriebe bereits im Alltag beobachten. Neubauprojekte werden häufiger verschoben oder ganz gestoppt, während Sanierungen und Umnutzungen an Bedeutung gewinnen. Dadurch eröffnen sich gerade für das Baugewerbe neue Chancen. Die Revitalisierung bestehender Gebäude erfordert spezialisiertes Know-how, flexible Planung und handwerkliche Präzision. Gleichzeitig lassen sich Projekte oft schneller realisieren, da grundlegende Strukturen bereits vorhanden sind. Das reduziert nicht nur Kosten, sondern auch Risiken.

Umnutzung statt Wohnungsnot und Stillstand

Das Potenzial im Bestand ist enorm. Ehemalige Bürogebäude, leerstehende Gewerbeimmobilien oder aufgegebene Industrieflächen bieten vielfältige Möglichkeiten zur Umwandlung in Wohnraum. Dennoch scheitern viele Projekte an bürokratischen Hürden, langwierigen Genehmigungsverfahren und starren Nutzungsregeln. „Deutschland hat kein Wohnraumproblem – sondern ein Umsetzungsproblem“, so Baierl. „Wir lassen Millionen Quadratmeter nutzbaren Bestands ungenutzt, während wir weiterhin auf Neubau setzen.“ Diese Aussage verdeutlicht den Handlungsdruck: Ohne strukturelle Anpassungen bleibt ein Großteil des vorhandenen Potenzials unerschlossen.

Klimafaktor Bau: Bestand im Vorteil

Neben wirtschaftlichen Aspekten spielt auch der Klimaschutz eine zentrale Rolle. Ein erheblicher Teil der CO2-Emissionen entsteht als sogenannte „graue Energie“ bereits in der Bauphase. Abriss und Neubau führen daher zu zusätzlichen Belastungen, während die Weiternutzung bestehender Gebäude Ressourcen schont. Die Fokussierung auf Bestandsgebäude bedeutet für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe eine strategische Neuausrichtung. Energetische Sanierungen, Modernisierungen und Umnutzungen werden zu zentralen Geschäftsfeldern. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planung und Ausführung, etwa im Hinblick auf Energieeffizienz und nachhaltige Baustoffe.

Forderungen der Baubranche

Um das Potenzial des Bestands besser zu nutzen, fordert die Baubranche vor allem schnellere Genehmigungsverfahren und flexiblere Regelungen bei Nutzungsänderungen. Ohne diese Anpassungen bleiben viele Projekte wirtschaftlich unattraktiv oder scheitern bereits in der Planungsphase. Denn die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Revitalisierung funktionieren kann. Immerhin setzt die renaissance Immobilien und Beteiligungen AG seit über zwei Jahrzehnten auf die Umwandlung bestehender Gebäude und schafft damit modernen Wohnraum bei gleichzeitig besserer Klimabilanz. „Die Lösung steht längst – wir müssen sie nur endlich nutzen“, betont Baierl.

Ist Neubau wirklich noch die Lösung gegen Wohnungsnot?

 

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Sie übersehen das Potential von zigtausend leerstehenden und oft barrierefreien kleinen Läden in Nebenkernen der Großstädte, in Mittelstädten und Dörfern.

Allein in meiner Mittelstadt von 40.000 Einwohnern gammel mehr als 300 kleine Läden mit zugeklebten Schaufenstern vor sich hin.

Ich habe in meinem Bestand bereits 3 davon umgewandelt und das dauert pro Projekt von der Idee bis zum Einzug nur 6 Monate

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