Ausbildungsnotstand im Baugewerbe? Nein, nur Politik

Ausbildungsnotstand im Baugewerbe Nein, nur Politik
Foto: Roland Riethmüller

Angeblich seien aufgrund der unattraktiven Arbeitsbedingungen im Baugewerbe viele Lehrstellen unbesetzt. Doch das stimmt nicht. Denn trotz der Corona-Krise ist die Ausbildungsbereitschaft der Baubetriebe in Deutschland ungebrochen hoch. In diesem Jahr wird ebenfalls wieder mit einer hohen Zahl an neuen Ausbildungsverträgen gerechnet. Das liegt nicht zuletzt an den Nachwuchskampagnen, die die Bauwirtschaft gestartet hat.

Nachdem bereit die Einhaltung der Hygienemaßnahmen im Baugewerbe bemängelt wurde, hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) nun beklagt, dass bundesweit nur die Hälfte der Lehrstellen im Baugewerbe besetzt seien. Die unattraktiven Bedingungen auf den Baustellen werden dafür verantwortlich gemacht. Das Baugewerbe hält dagegen: „Die Ausbildungsbereitschaft unserer Baubetriebe ist, verglichen zu anderen Branchen, trotz Corona-Krise unvermindert hoch. Wir rechnen daher auch im neuen Ausbildungsjahr mit einer ähnlich hohen Anzahl an neu abgeschlossen Lehrverträgen wie 2019.“ Mit dieser Feststellung reagiert der Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Thomas Möller, auf die aktuelle Pressekampagne der IG Bau. Möller bewertet die Situation anders und sieht bisher noch keine Alarmzeichen. Weiterhin betont er, dass es sicher wünschenswert ist, schnell einen geeigneten Bewerber für einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Vergangenheit hätte jedoch gezeigt, dass die meisten Verträge in der Zeit von August bis Oktober abgeschlossen werden. Baden-Württemberg bietet 6.000 Lehrstellen an. Die Erwartungen gehen dahingehend, dass diese Stellen auch besetzt werden würden.

Anstieg der Ausbildungsverträge

Möller weist außerdem darauf hin, dass die Zahl der abgeschlossenen Verträge für das erste Lehrjahr immerhin um 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Darin sieht er eine Tendenz nach oben. Möller vermutet in den Vorwürfen der Gewerkschaft einen völlig anderen Hintergrund. Er betont, dass den Betrieben nicht die Auszubildenden ausgehen, sondern dass den Gewerkschaften die Mitglieder davonlaufen würden. Die abstrusen Vorwürfe dienten nur dazu, um sich für die bevorstehende Schlichtungsrunde einen Vorteil zu verschaffen. Dieses Manöver über die schlechten Arbeitsbedingungen am Bau schaden der Branche. Deshalb appellieren die Gesprächspartner an die Gewerkschaften, das Bau-Bashing zu unterlassen und mit sachlichen Argumenten an den Gesprächstisch zurückzukehren. Wer den Erfolg der eigenen Branche schlecht redet, darf sich über eine negative öffentliche Meinung nicht wundern. Bereits seit Jahren ist die groß angelegte Nachwuchskampagne in Schulen und auf Berufsmessen sehr erfolgreich.

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