Durch veränderte Rahmenbedingungen ist die tägliche Arbeit der Bauleiter und Poliere insgesamt deutlich stressiger geworden. Darunter leiden neben den betroffenen Personen vor allem auch die Abläufe auf Baustellen und dadurch natürlich das wirtschaftliche Ergebnis des Bauunternehmens. Forscher haben die Situation analysiert und Empfehlungen ausgesprochen, wie diese Schlüsselpersonen stärker entlastet und wieder zu Höchstleistungen motiviert werden können.
Während der Druck zur Produktivität unaufhörlich steigt, fordert die Bürokratie auch immer mehr Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte. So fühlen sich Bauleiter und Poliere in einer Sandwich-Position zwischen Unternehmensleitung, Auftraggeber, Mitarbeiter, anderer Bauausführender und den Behörden. Dies äußert sich nicht selten in permanenten Unterbrechungen und einer andauernden Überziehung der Regelarbeitszeit.
Um die Belastung der Bauleiter und Poliere besser zu verstehen, haben zwei Forscherteams unter der Leitung von Professor Dr.-Ing. Manfred Helmus vom Bereich Baubetrieb und Bauwirtschaft an der Bergischen Universität Wuppertal und Professor Dr. Gerhard Syben von der Hochschule Bremen die veränderten Aufgaben analysiert und Handlungsempfehlungen zum Erhalt der Leistungsfähigkeit ausgesprochen. Mit fünf Maßnahmen will Helmus die dauerhafte Beschäftigung der Führungskräfte auf Baustellen sicherstellen: So halten die Forscher die Personalentwicklung und Stärkung der Motivation für sehr wichtig und haben dafür entsprechende Handlungshilfen entwickelt. Darüber hinaus sollen regelmäßig Mitarbeitergespräche stattfinden. Zusätzlich sollen Arbeitsprozesse optimiert und neue Standardvorgänge definiert und etabliert werden. Zu diesem Zweck wurde eigens eine App zur Analyse der Schnittstellen und Optimierung der Prozesse entwickelt. Als vierte Maßnahme möchte Helmus den Erfahrungsaustausch und die Wissensweitergabe hierarchieunabhängig fördern. Dazu zählt auch ein Patenprogramm für Nachwuchskräfte. Als fünften Schritt empfiehlt Helmus die einfache und triviale Maßnahme, sich als Bauleiter und Polier vollständig auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren zu können. Durch diese Entlastung der Bauleiter und Poliere durch Delegation weniger wichtigerer Aufgaben kann letztlich die Situation der Führungskräfte insgesamt wie auch der Betriebe verbessert werden.
Die Soziologieprofessorin Kerstin Jügens geht dabei noch weiter und mahnt zu einem konsequenteren Handeln statt eines bloßen Kurierens von Symptomen. Schließlich müssen dazu Arbeitsinhalte ebenso überprüft werden wie Abläufe und Prozesse. Um auch dauerhaft die Situation der Bauleiter und Poliere zu verbessern und des Nachwuchskräftemangels Herr zu werden, benötigt der Bau ihrer Meinung nach eine neue „Leistungskultur“ mit mehr Anerkennung, Konfliktfähigkeit und Unterstützung. Oft sei der Verdienst kein ausschlaggebender Grund mehr für Motivation. Das Stichwort „Work-Life-Balance“ würde dagegen auch für Bauleiter und Poliere zunehmend an Bedeutung gewinnen.

















