In der Krise: Wohnungsbau hofft auf Zinsverbilligungsprogramm

Foto: Mint_Images / envatoelements

Laut den aktuellen Konjunkturindikatoren für das Bauhauptgewerbe befindet sich die Baubranche immer noch auf rasanter Talfahrt. Das betrifft allerdings nicht alle Sparten gleichermaßen. Während der Wohnungsbau dramatisch schwächelt, verläuft der Trend im gewerblichen Tiefbau nach oben. Das liegt unter anderem am Stromstraßenausbau, an Großprojekten des ÖPNV und am Schienenbau der Deutschen Bahn. Das neue Zinsverbilligungsprogramm schürt die Hoffnung, diese Talfahrt ein wenig abzuschwächen und nötige Impulse für den Wohnungsbau zu setzen.

Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen deutlich, dass sich die Talfahrt im Wohnungsbau bei Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten kontinuierlich fortsetzt. „Die Trends in den Bausparten verlaufen weiter gespalten“, betont dabei Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). „Auch nach den Novemberzahlen bleibt der Wohnungsbau das Sorgenkind der Branche: die Aufträge brechen im Vergleich zum Vorjahr real um sieben Prozent ein.“ Damit halte der Rückgang bereits neun Monate an. Insgesamt würden damit im November im Vergleich zum Vorjahresmonat Baugenehmigungen für rund 83.000 Wohnungen fehlen. Das entspreche einer Abnahme von 26 Prozent. Potenzielle Hausbauer würden durch die hohe Inflation und die hohen Finanzierungskosten abgeschreckt werden. Insgesamt gäbe es einen Rückgang bei Einfamilienhäusern um 40, bei den Zweifamilienhäusern sogar um 50 Prozent.

Hoffnung auf Impulse durch zusätzliche Fördermittel

Erfreulich sei laut Pakleppa dagegen jedoch, dass bei den Mehrfamilienhäusern zusätzliche Fördermittel bereitgestellt werden. Für Eigenheimbauer seien diese Impulse allerdings zu schwach. Dadurch sei es für die Bauunternehmen eine große Herausforderung, die Beschäftigten zu behalten. Zusätzlich sei für das Jahr 2024 das bestehende Auftragspolster auch nur noch sehr gering. Neue Aufträge im Wohnungsbau lägen gegenüber dem Vorjahr bei minus 15 Prozent. Real mache es 21 Prozent aus. Dadurch bestehe ein Spannungsfeld zwischen fehlenden Fachkräften und drohendem Kapazitätsabbau. Wenn das so weitergehe, drohen Insolvenzen und Personalabbau, was die Wohnungsnot noch vergrößern würde.

Drohender Personalabbau durch rückläufigen Wohnungsbau

Auch für die Bauindustrie war das letzte Jahr im Hinblick auf den Wohnungsbau ein schlechtes Jahr. Die Bauunternehmen haben für November 2023 ein Auftragsminus von 6,7 Prozent gemeldet. „Das ist der zwanzigste Rückgang in Folge. Eine besorgniserregende Entwicklung“, warnt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). „Nicht nur für die Bauunternehmen, sondern auch für die Menschen, die dringend eine Wohnung suchen.“ Beim Umsatz gab es sogar Verluste in Höhe von 11,8 Prozent. Laut Müller könne man nur darauf hoffen, dass das Zinsverbilligungsprogramm die Situation abschwäche. Aber das Geld allein reicht nicht, es müssen auch die Strukturen verändert werden. Bundesweit müssen einheitliche digitale Prozesse eingeführt werden. Staatliche Bauhürden und die Bürokratie bremsen den Wohnungsbau aus. Besonders bitter sei, dass im November der Wohnungsbau nicht durch Großprojekte gerettet wurde.

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