Sorgenkind der Bauwirtschaft: Wohnungsbau weiter auf Talfahrt

Sorgenkind der Bauwirtschaft Wohnungsbau weiter auf Talfahrt
Foto: Roland Riethmüller

Noch immer bereitet der Wohnungsbau in Deutschland dem Baugewerbe große Sorge. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen es, der Neubau von Wohnungen kommt nicht voran. Im Gegenteil, bis April 2023 waren es deutlich weniger. Die Neubauförderprogramme haben auch keine Bewegung in den Wohnungsmarkt gebracht. Die Auftragsbestände werden nach und nach abgebaut, aber es kommen keine neuen Aufträge nach. Das ifo-Institut erwartet ebenfalls einen starken Rückgang.

Die Talfahrt im Wohnungsbau geht weiter. Bis zum April 2023 wurden lediglich 75.000 Wohnungen genehmigt. Das sind fast 33.000, also rund 36 Prozent, weniger als im Vorjahr. Das belegen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. „Der Wohnungsbau bleibt das große Sorgenkind der Baukonjunktur“, kommentiert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), die aktuellen Angaben zu den bewilligten Bauanträgen und Auftragseingängen im Wohnungsbau. “Nach den neuen Zahlen geht die Talfahrt ungebremst weiter. Diese Entwicklung müssen wir aufhalten.”

Sorge bereitet auch der Beschäftigungsstand in der Bauwirtschaft

In den letzten Jahren wurden viele Beschäftigte eingestellt. Jetzt wird es allerdings wegen der mangelnden Aufträge immer schwieriger, das Personal zu halten. „Deswegen brauchen wir jetzt sofort spürbare Investitionsanreize für Private und institutionelle Anleger”, fordert Pakleppa und befürchtet den dauerhaften Verlust der Fachkräfte, sowie die Unerreichbarkeit des ambitionierten Wohnungsbauziels von 400.000 Wohneinheiten pro Jahr. Die Neubauförderprogramme zeigen leider nicht die erhoffte Wirkung. Ein Lichtblick sei jedoch die Tiefbauinvestition im gewerblichen Bereich. Hier gab es eine nominale Steigerung der Order um 14 Prozent. „Dem Bau gehen so langsam die Aufträge aus”, erklärt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). “Der aktuelle Auftragsbestand wird von den Bauunternehmen noch sukzessive abgebaut, es kommt aber immer weniger nach.” So habe die Baubranche im April abermals einen realen Rückgang vom Auftragseingang verspüren müssen, aus dem sich künftige Umsätze und Gewinne speisen. “Das war mittlerweile der dreizehnte Monat in Folge. Es ist somit kein Wunder, dass nun auch der Umsatz zweistellig im Minus ist“, kommentiert Müller die aktuellen Konjunkturindikatoren für das Bauhauptgewerbe.

Wohnungsbau leidet unter mangelnder Investitionsbereitschaft

Vor allem die mangelnde Investitionsbereitschaft beeinträchtigt den Wohnungsbau. Dadurch ist der Auftragseingang im April preisbereinigt um 29,8 Prozent eingebrochen. Das ergibt für die ersten vier Monate ein Minus von 34,6 Prozent. Dabei sind die mangelnden Aufträge von heute die fehlenden Wohnungen von morgen. Für die Zukunft der Branche sind das keine guten Zeichen. Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo-Institut) erwartet beim Wohnungsbau einen dramatischen Rückgang. Gemäß der Berechnungen werden im Jahr 2023 rund 245.000 und nächstes Jahr 2024 sogar nur 210.000 Wohnungen fertiggestellt. Im Jahr 2025 sollen es nur noch 175.000 Wohnungen sein. Damit ist das Ziel der Bundesregierung verfehlt, jährlich 400.000 Wohnungen zu bauen. „Der wichtigste Grund für den Rückgang ist die erhebliche Verteuerung der Finanzierung und der Bauleistungen”, erklärt ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister das Dilemma im Wohnungsbau. “Gleichzeitig hat der Bund die Neubauförderung drastisch zurückgefahren und die Standards für den Neubau Anfang 2023 abermals verschärft.“

Kommentare

0 0 votes
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse 2024

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2024 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.