Wohnungsbau am Ende – droht jetzt Kurzarbeit

Foto: Roland Riethmüller

Die Baugenehmigungen gehen immer weiter zurück, die Nachfrage sinkt und das Personal kann kaum noch beschäftigt werden. Zuschüsse gibt es auch nicht. Stattdessen nur vergünstigte Darlehen. Doch die Fördermittel fehlen auch auf der Seite der Auftraggeber. Für viele Menschen wird das Bauen deshalb sehr unrealistisch. Alarmierend ist auch, dass Bauherren kaum noch Geld in den Wohnungsbau investieren. Diese Faktoren führen dazu, dass die Wohnungsbaubranche am Boden liegt. Und es könnte mit Kurzarbeit noch schlimmer kommen.

Der Wohnungsbau klagt massiv über sinkende Nachfrage und einen dramatischen Rückgang der Baugenehmigungen. Demnach sei es kaum noch möglich, das Personal zu beschäftigen. Diese Tiefschläge haben dazu geführt, dass der Wohnungsbausektor aktuell nicht mehr so richtig auf die Beine kommt. Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, hält die Politik dafür verantwortlich. „Mit ihren radikalen Kürzungen bei den Förderprogrammen hat die Ampelregierung in Berlin ein absolutes Desaster angerichtet! Bauwillige sind frustriert, weil sie trotz gestiegener Baukosten, hoher Zinsen und anhaltender Inflation vom Staat finanziell im Stich gelassen werden“, beanstandet Böll. Dadurch sei der Traum vom Eigenheim für viele Menschen zum Alptraum geworden. In Folge seien die Baubetriebe durch die Stornierungswelle massiv ins Straucheln gekommen. Derzeit werden lediglich die Auftragsbücher abgearbeitet. Kommen jedoch keine neuen Aufträge hinzu, droht Kurzarbeit.

Kurzarbeit kommt nicht überraschend, die Entwicklung war vorhersehbar

Die Politik hätte das vorhersehen können. Insgesamt standen zehn Milliarden Euro im Jahr 2022 für die Wohnungsbauförderung zur Verfügung. In diesem Jahr gibt es nur noch knapp zwei Milliarden Euro. Gleichzeitig haben sich die Bedingungen verschärft. Bereits geförderte Gebäude müssen nun nach dem teureren EH 40 Standard gebaut werden. Außerdem gibt es jetzt statt Zuschüssen nur noch zinsgünstige Darlehen. Darüber hinaus sind die Einkommensgrenzen beim KfW-Programm „Wohneigentum für Familien“ viel zu niedrig angesetzt. Das Bauen ist deshalb für viele aufgrund der eingeschränkten Fördervorgaben unrealistisch geworden. Die Wohnungsbauziele können so aber nicht erreicht werden. Damit die Wohnungsnot sich nicht noch weiter vergrößert, muss die Neubauförderung ausgeweitet werden. Allein in Baden-Württemberg fehlen 70.000 Wohnungen. Die Baufertigstellungen sind im vergangenen Jahr 2022 um 3,3 Prozent auf 35.522 Wohneinheiten gesunken. Um den Bedarf zu decken, müssten jedoch 50.000 Wohnungen gebaut werden.

Gesunkene Auftragseingänge im Wohnungsbau

Im Wohnungsbau sind die Auftragseingänge zwischen Januar und April 2023 im Vergleich zum Vorjahr nominal um 24,2 Prozent zurückgegangen. Zugleich sanken die Baugenehmigungen bis Mai um 21,3 Prozent. Einen großen Rückgang gab es auch bei den Ein- und Zweifamilienhäusern. Hier ist ein Rückgang von 44,7 Prozent zu verzeichnen. Stillstand herrscht ebenfalls beim sozialen Wohnungsbau. Wie bereits im Jahr 2022 droht auch in diesem Jahr ein Förderstopp, weil die Gelder wegen der hohen Nachfrage fast schon aufgebraucht sind. Damit der Wohnungsbau aus der Krise geführt wird, müssten private Investoren Gelder in den Wohnungsmarkt lenken.

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