Wärmewende: Kritik am Gebäudemodernisierungsgesetz wächst

Foto: puhimec / envatoelements

Die geplante Reform der Regeln für den Heizungstausch und energetische Sanierungen sorgt für wachsenden Widerstand. Während die Bundesregierung mehr Freiheiten bei der Wahl von Heizsystemen schaffen will, warnen Verbände vor neuen Unsicherheiten für Eigentümer, Wohnungsunternehmen und Investoren. Im Streit um Gasheizungen, Wärmepumpen und die künftige Energieinfrastruktur geht es um Milliardeninvestitionen und die Frage, ob die Wärmewende im Gebäudebestand schneller oder schwieriger wird. 

Mit der ersten Lesung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GmodG) im Bundestag nimmt die politische Debatte um die künftige Wärmewende im Gebäudesektor an Fahrt auf. Während die Bundesregierung Vereinfachungen beim Heizungstausch und mehr Technologieoffenheit schaffen will, warnen Wohnungswirtschaft, Ingenieure und Energieberater vor neuen Unsicherheiten. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Investitionssicherheit, bezahlbarem Klimaschutz und den richtigen Rahmenbedingungen für die Modernisierung von Millionen Wohn- und Nichtwohngebäuden. Dabei soll das neue Gesetz Eigentümern künftig größere Freiheiten bei der Wahl ihrer Heizsysteme einräumen und gleichzeitig die Wärmewende beschleunigen. Allerdings gehen die Einschätzungen der Verbände deutlich auseinander. Während der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) den technologieoffenen Ansatz grundsätzlich begrüßt, kritisiert der Bundesverband Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker (GIH) eine Aufweichung zentraler Vorgaben. Auch die Wohnungswirtschaft sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf, um Investitionen in den Gebäudebestand nicht auszubremsen.

Wohnungswirtschaft fordert weniger Bürokratie

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW unterstützt das Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung, warnt jedoch vor zusätzlichen Belastungen für Vermieter und Mieter. In einem 8-Punkte-Appell fordert der Verband unter anderem mehr Quartierslösungen, praxistaugliche Regeln für klimafreundliche Brennstoffe sowie transparente Vorgaben für Wärmenetze. „Die Wärmewende gelingt nicht mit Pflichten auf dem Papier, sondern mit Lösungen, die vor Ort funktionieren“, betont GdW-Präsident Axel Gedaschko. „Wir brauchen mehr Quartiersansätze, klare Verantwortlichkeiten, faire Kostenregeln und einen konsequenten Blick auf die Bezahlbarkeit. Klimaschutz darf nicht zum Kostentreiber werden, der Mieterinnen und Mieter überfordert und Wohnungsunternehmen Investitionen unmöglich macht.“ Besonders kritisch bewertet die Wohnungswirtschaft zusätzliche Bürokratie und Kostenrisiken. Aus Sicht des Verbandes müsse die Wärmewende wirtschaftlich tragfähig bleiben, damit notwendige Investitionen in den Gebäudebestand nicht ausgebremst werden.

Gebäudemodernisierungsgesetz: VDI warnt vor Fehlinvestitionen

Auch der VDI sieht Nachbesserungsbedarf. Der technisch-wissenschaftliche Verein fordert insbesondere mehr Planungssicherheit bei der Energieinfrastruktur. Hintergrund ist die weiterhin mögliche Installation neuer Gasheizungen mit klimafreundlichen Brennstoffanteilen. Gleichzeitig sehen viele kommunale Wärmepläne einen schrittweisen Rückbau oder eine Umwidmung von Gasnetzen vor. „Mit der ersten Lesung beginnt jetzt die entscheidende Phase des Gesetzgebungsverfahrens. Der Bundestag hat die Chance, Planungssicherheit für Millionen Gebäudeeigentümer und für die investierende Wirtschaft zu schaffen“, erklärt VDI-Direktor Adrian Willig. „Technologieoffenheit ist richtig – sie darf aber nicht zu Orientierungslosigkeit führen.“ Schließlich sei für Investoren die Planungssicherheit wichtig zu wissen, welche Energieinfrastruktur in der Zukunft noch verfügbar sei. Zusätzlich fordert der Verband stabile Förderbedingungen für Wärmepumpen sowie eine stärkere Berücksichtigung von Gebäudeautomation und intelligentem Energiemanagement. Gerade bei größeren Gebäuden ließen sich dadurch erhebliche Energieeinsparungen erzielen.

Energieberater sehen Wärmewende gefährdet

Deutlich schärfer fällt die Kritik des GIH aus. Der Verband befürchtet, dass zentrale Leitplanken der Wärmewende abgeschwächt werden. Insbesondere die geplante Abschaffung der sogenannten 65-Prozent-Regel sowie die Lockerung weiterer Vorgaben könnten nach Ansicht der Energieberater zu neuen Unsicherheiten führen. „Eigentümer, Wohnungswirtschaft und Kommunen brauchen endlich verlässliche Rahmenbedingungen statt immer neuer Kurskorrekturen“, fordert GIH-Vorsitzender Stefan Bolln. „Wer Investitionen in klimafreundliche Gebäude will, muss Planungssicherheit schaffen.“ Die kommenden Beratungen im Bundestag dürften deshalb richtungsweisend werden. Einigkeit besteht bei den Verbänden vor allem in einem Punkt: Ohne langfristig verlässliche Rahmenbedingungen, klare Investitionssignale und eine abgestimmte Infrastrukturplanung wird die Modernisierung des Gebäudebestands kaum die notwendige Geschwindigkeit erreichen. Für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und die Gebäudetechnikbranche hängt davon ein erheblicher Teil der künftigen Investitionen im Markt für energetische Sanierungen und moderne Heizsysteme ab.

Ist das Gebäudemodernisierungsgesetz ein Fortschritt für die Wärmewende?

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