Politische Unsicherheit und steigende Kosten bremsen den Heizungstausch in Deutschland deutlich aus. Trotz anhaltender Debatten um das Gebäudeenergiegesetz dominieren Öl- und Gasheizungen weiterhin den Gebäudebestand. Gleichzeitig wächst der Modernisierungsstau bei vielen Wohn- und Gewerbeimmobilien. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe bleibt der Sanierungsmarkt zwar ein enormes Geschäftsfeld, doch fehlende Planungssicherheit und unklare Förderbedingungen sorgen derzeit für Zurückhaltung bei Investitionen in neue Heiztechnik.
Die Wärmewende kommt in Deutschland weiterhin nur schleppend voran. Nach aktuellen Erhebungen des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks waren im Jahr 2025 noch rund 19,5 Millionen Heizungsanlagen mit fossilen Energieträgern in Betrieb. Damit laufen weiterhin mehr als die Hälfte aller Heizsysteme in Deutschland mit Öl oder Gas. Zwar ging die Zahl der Öl- und Gasheizungen leicht zurück, doch der Rückgang fällt deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Besonders auffällig: Die Zahl der Ölheizungen sank lediglich um rund drei Prozent auf 4,7 Millionen Anlagen, während Gasheizungen nur um 1,7 Prozent auf 14,8 Millionen zurückgingen. Trotz politischer Debatten um das Gebäudeenergiegesetz und neuer Reformpläne dominieren folglich weiterhin Öl- und Gasheizungen den Gebäudebestand. Die erhoffte Dynamik bei der Wärmewende bleibt damit aus. Gleichzeitig wächst der Modernisierungsstau in vielen Gebäuden. Unsicherheit über gesetzliche Vorgaben, Förderprogramme und Energiepreise sorgt dafür, dass viele Eigentümer Investitionen in neue Heiztechnik aufschieben. Für das Bau- und Ausbauhandwerk könnte sich damit die Auftragslage im Bereich Heizungsmodernisierung weiter verzögern.
Wärmewende stockt trotz politischer Reformen
Eine zentrale Ursache für die Zurückhaltung sehen Branchenbeobachter in der politischen Unsicherheit rund um das Gebäudeenergiegesetz. Bereits seit dem Jahr 2024 komme die Wärmewende kaum noch voran. Viele Eigentümer warteten offenbar ab, welche Regeln künftig gelten und welche Förderungen tatsächlich verfügbar bleiben. Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) soll nun für mehr Klarheit sorgen und den Heizungsmarkt wieder beleben. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde Mitte Mai 2026 im Kabinett beschlossen und soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Gleichzeitig zeigt sich: Moderne Brennwerttechnik gewinnt zwar weiter an Bedeutung, doch der Bestand alter Heizungen bleibt enorm. Fast 60 Prozent aller Gasheizungen verfügen inzwischen über Brennwerttechnik. Dennoch sind weiterhin rund 86 Prozent der Ölheizungen und etwa zwei Drittel der Gasheizungen älter als 20 Jahre und gelten technisch als veraltet. Gerade darin steckt für das SHK-Handwerk und die Bauwirtschaft weiterhin enormes Modernisierungspotenzial.
Alte Heizungen sorgen für großen Modernisierungsbedarf
Auch Biomasseheizungen entwickeln sich derzeit kaum dynamisch. Der Bestand an Biomasseanlagen blieb mit rund 1,2 Millionen Heizungen nahezu unverändert. Ebenso konstant blieb die Zahl der Kamin- und Kachelöfen. Damit zeigt sich, dass alternative Heizsysteme zwar weiterhin eine Rolle spielen, derzeit jedoch keinen massiven Wachstumsschub erleben. Alexis Gula, Präsident des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks, verweist auf die Bedeutung langfristiger Planungssicherheit: „Es bleibt abzuwarten, wie sich der GEG-Nachfolger, das Gebäudemodernisierungsgesetz, auf das laufende Jahr 2026 auswirkt. Der Einbau effizienter Öl- und Gasheizungen wird laut Referentenentwurf weiterhin möglich sein“, erläutert Alexis Gula, Präsident im Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. „Wir empfehlen jedoch unter anderem im Hinblick auf eine mögliche Biotreppe Alternativen wie zum Beispiel Wärmepumpen oder Biomasseanlagen – und eine vorherige Energieberatung. Die Entscheidung für oder gegen ein System wird vor allem von der Entwicklung der Energiepreise und der Versorgungssicherheit bestimmt.“
Für die Bauwirtschaft bleibt die Entwicklung beim Heizungstausch ein wichtiger Marktindikator. Vor allem Sanierungen, energetische Modernisierungen und der Austausch alter Heiztechnik gelten weiterhin als zentrale Geschäftsfelder für Handwerk und Bauunternehmen. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Entwicklung, wie stark politische Unsicherheit Investitionen im Gebäudesektor bremsen kann. Als wichtigste Voraussetzungen für mehr Dynamik gelten daher stabile Förderbedingungen, verlässliche gesetzliche Vorgaben und langfristige Planungssicherheit.

















