Bauindustrie warnt: Risiko für Kurzarbeit steigt

Bauindustrie warnt: Risiko für Kurzarbeit steigt
Foto: Roland Riethmüller

Eine aktuelle Umfrage unter den Bauunternehmen der Bauindustrie ergab, dass sich die Situation am Bau aufgrund der Ukraine-Krise dramatisch verschlechtert hat. Mittlerweile spürt fast jedes Bauunternehmen die Auswirkungen des Kriegs. Problematisch sind nicht nur die gestiegenen Preise für Baumaterialien, sondern auch das damit verbundene wirtschaftliche Risiko der Kalkulation. Hinzu kommt, dass die Auftraggeber geplante Projekte zurückstellen oder gar stornieren. Dieser Rückgang im Wohnungsneubau könnte unweigerlich zu Kurzarbeit führen.

Die Lage in der Bauindustrie hat sich in den letzten Wochen zunehmend verschärft. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Umfrage vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) unter seinen Mitgliedsbetrieben. Befragt wurden rund 300 Bauunternehmen. Von diesen bekommen 27 Prozent ihr Baumaterial aus der Ukraine oder aus Russland. Insgesamt 91 Prozent der Befragten gaben demnach an, die Auswirkungen zu spüren. “Mittlerweile ist fast jedes Unternehmen direkt oder indirekt von den Folgen des Krieges in der Ukraine betroffen“, warnt HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Die Hauptprobleme liegen zu 90 Prozent bei den Preissteigerungen bei Baumaterialien und zu 80 Prozent bei den Materialengpässen. Beides macht sich besonders in Bezug auf Dieselkraftstoff und Stahl bei 78 Prozent der Befragten bemerkbar. Zusätzlich melden 57 Prozent Lieferengpässe bei Asphalt und Bitumen.

Hohes wirtschaftliches Risiko wegen fehlender Preisgleitungen

Immer mehr Bauunternehmen berichten auch davon, dass die Materiallieferanten nur noch tagesaktuelle Preise anbieten. 85 Prozent der Befragten gaben sogar an, dass die Lieferanten keinerlei Preiszusagen mehr geben würden. Das führt zu einem großen wirtschaftlichen Risiko, wodurch Angebote nicht mehr verlässlich kalkuliert werden können. Bisher konnten nur mit einem Drittel der Auftraggeber Preisgleitungen vereinbart werden. Rund 30 Prozent der Bauunternehmen geben aus diesem Grund keine neuen Angebote mehr ab. Auch die Länder und Kommunen müssten dringend den kürzlich mit dem Bund vereinbarten Erlass zur Preisgleitklausel endlich umsetzen.

Sinkende Nachfrage im Wohnungsbau erhöht Gefahr von Kurzarbeit

Ein zusätzliches Problem ist der Rückgang der Nachfrage. Rund 40 Prozent der Auftraggeber haben ihre Projekte zurückgestellt. Darüber hinaus haben 30 Prozent der Auftraggeber sogar ihre Projekte komplett storniert. Das kann mittelfristig die Baukonjunktur negativ beeinflussen, weil auch verstärkt mit einem deutlichen Rückgang im Wohnungsneubau zu rechnen sei. Das hätte auch auf die Fachkräfte gravierende Folgen. Müller bestätigt, dass die Bauunternehmen noch vor Wochen händeringend nach Arbeitskräften gesucht hätte. Heute mache man sich dagegen Gedanken, wie man die Mitarbeiter halten könne. Die Unternehmen stellen sich mittlerweile bereits auf Kurzarbeit in der Bauindustrie ein.

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