Die Bauwirtschaft steht an einem Wendepunkt: Einerseits stellt die Abfallbeseitigung eine wachsende Herausforderung dar, andererseits werden einige Rohstoffe zunehmend knapp. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit und das zirkuläre Bauen immer wichtiger. Dieser Trend wurde kürzlich bei einem Branchentreffen in Straubing deutlich hervorgehoben. Denn die Nutzung von Sekundärbaustoffen, die ebenso leistungsfähig wie ihre primären Gegenstücke sind, bietet ein breites Einsatzpotenzial und gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Mineralische Abfälle, die größte Abfallfraktion in Deutschland, bieten immense, ungenutzte Möglichkeiten für die Bauwirtschaft. Ihre Vielseitigkeit ist beeindruckend: So kommen Sekundärbaustoffe als Straßenbaumaterial über die Anwendung als Pflanzgranulate bis hin zur Betonherstellung zum Einsatz. Denn qualitätsgesicherte Sekundärbaustoffe stehen Primärrohstoffen in nichts nach. Erfahrungen aus der Praxis belegen die Effektivität und Akzeptanz. Ein herausragendes Beispiel ist die Transformation der Bayernkaserne in München, wo 75 Prozent der alten Bausubstanz in eine neue Wohnsiedlung integriert wurden. Auch die Humboldt-Universität Berlin profitierte von der Verwendung von Recyclingbeton, der sich in Qualität und Handhabung nicht von herkömmlichem Beton unterscheidet. „Dieses Projekt zeigt neben vielen anderen, dass Recycler in der Lage sind, eine qualitativ hochwertige rezyklierte Gesteinskörnung für den Einsatz in Beton zu produzieren, die der natürlichen Gesteinskörnung qualitativ in keinem Punkt nachsteht“, bestätigt Stefan Schmidmeyer, Geschäftsführer des bvse-Fachverband Mineralik – Recycling und Verwertung und Geschäftsführer des Baustoff Recycling Bayern. „Die Transportbetonproduzenten konnten R-Beton problemlos mit den vorgeschriebenen Anforderungen, z. B. an Festigkeitsklasse oder Konsistenz, herstellen und dabei den R-Beton beim Einbau genauso handhaben wie Normalbeton.“
Einsatz der Recycling-Baustoffe schont unsere natürlichen Ressourcen
Neben der Kosteneffizienz spielt der Umweltschutz eine zentrale Rolle beim Einsatz von Sekundärbaustoffen. Sie tragen zur Schonung natürlicher Ressourcen bei und unterstützen die Kreislaufwirtschaft, was entscheidend für den Klimaschutz ist. Zudem adressieren sie das Problem der Deponieraumknappheit durch die Steigerung der Verwertungsquoten mineralischer Abfälle.
Öffentliche Hand mit Vorbildfunktion beim Bauen in der Pflicht
Die Rolle der öffentlichen Hand ist jedoch entscheidend, um den Markt für Recycling-Baustoffe weiterzuentwickeln. Städte wie Straubing setzen bereits positive Zeichen durch nachhaltige Beschaffungsstrategien. Eine verstärkte Nachfrage seitens der öffentlichen Hand kann den Einsatz dieser nachhaltigen Materialien maßgeblich fördern.
In der Bauwirtschaft zeichnet sich damit ein klarer Trend ab: Sekundärbaustoffe sind nicht nur eine ökologisch sinnvolle, sondern auch eine technisch und wirtschaftlich praktikable Lösung für die Zukunft. Die Branche steht vor der Herausforderung, diese Potenziale konsequent zu nutzen und somit einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz zu leisten.


















Gerade der Einsatz von Recyclingschotter aus Beton-, Frostschutz- und Asphaltaufbruch ist im Straßen- und Tiefbau unverzichtbar. Leider hat das aber die öffentliche Hand und viele Ingenieurbüros noch nicht verstanden. Die Ersatzbaustoffverordnung macht es den Bauunternehmen mit den massiven Auflagen auch nicht leichter. Hier muss nachgearbeitet werden, ansonsten werden die Bau- und Entsorgungskosten ins unbezahlbare steigen.