Der Wohnungsbau steckt tief in der Krise. Die aktuelle Wohnungsnot in Deutschland führt zu Milliardenverlusten in der Wirtschaft, belastet die Staatskassen und bedroht Millionen von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig sind die Investitionen in den Wohnungsbau rückläufig, und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum entwickelt sich zunehmend zu einem politischen Sprengstoff. Experten fordern dringend staatliche Sonderförderungen und eine Vereinfachung der Bauvorschriften, um die Krise zu bewältigen.
Die aktuelle Krise im Wohnungsbau wirkt sich verstärkt auch auf die deutsche Wirtschaft aus, die dadurch mittlerweile bereits Verluste in Milliardenhöhe zu verzeichnen hat. Außerdem ist auch für den Staat mit dem Rückgang der Steuereinnahmen zu rechnen. Insgesamt fehlen aktuell 800.000 Wohnungen. Die politische Unzufriedenheit der Menschen wächst und entwickelt sich zu einem gesellschaftlichen Zündstoff. Der Fachkräftemangel geht teilweise auch auf den Wohnungsmangel zurück, denn der hält die Fachkräfte davon ab, nach Deutschland zu kommen. Das Verbändebündnis Wohnungsbau fordert vor diesem Hintergrund sofortige Sonderförderungen in Höhe von 23 Milliarden Euro. Allein für 100.000 neue Sozialwohnungen fehlen 15 Milliarden Euro.
Der Einfluss vom Wohnungsbau auf die Gesamtwirtschaft
Welche konkreten Auswirkungen die Wohnungsnot hat, haben Wissenschaftler der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) zum ersten Mal untersucht und auf dem Wohnungsbautag in Berlin veröffentlicht. Demnach hat fast jeder siebente. Arbeitsplatz mit dem Wohnungsbau zu tun. Der Rückgang wirkt sich damit auf 6,6 Millionen Jobs aus. Steuerlich macht sich das ebenfalls bemerkbar, denn im vergangenen Jahr flossen 141 Milliarden Euro durch Steuern aus dem Wohnungsbau in die Staatskasse. Das sind 17 Prozent der Gesamtsteuereinnahmen. Insgesamt sind das also keine guten Aussichten und von einer Erholung im Wohnungsbau kann leider auch nicht die Rede sein. Bereits seit drei Jahren sind die Investitionen rückläufig. In diesem Jahr wird sogar ein Wohnungsbaurückgang von 5,4 Prozent erwartet. Das bedeutet auch ein Steuerminus von fünf Milliarden Euro.
Die Wohnungsnot im Wohnungsbau erzeugt politischen Sprengstoff
Damit ist die Wohnungsnot längst zu einem politischen Sprengstoff geworden. Über sieben Millionen Haushalte sind mit ihren Wohnkosten überlastet. Über 30 Prozent des Einkommens müssen für Wohnkosten bezahlt werden. Elf Prozent, also rund 9,3 Millionen Menschen, bewohnen überbelegte Wohnungen. Jeder Fünfte lebt auf zu engem Raum. Es droht ein sozialpolitisches Versagen. Denn besonders problematisch ist es, wenn die Einwohnerzahl schneller wächst als die Zahl der verfügbaren Wohnungen. „Und außerdem ist es – auch schon mit Blick auf die Altersvorsorge – verhängnisvoll, dass sich immer weniger Menschen einen Neubau als Wohneigentum leisten können“, erklärt ARGE-Studienleiter Dietmar Walberg. „Die Folge liegt auf der Hand: Wer sich früher seine eigenen vier Wände anschaffen konnte, drängt heute auf den ohnehin überstrapazierten Mietwohnungsmarkt.“ Hinzu kommen die gestiegenen Baukosten. Seit dem Jahr 2000 erlebt der Wohnungsbau eine regelrechte Preisexplosion um das Zweieinhalbfache. Preistreiber ist besonders die Technik im Bereich SHK und Elektrotechnik in den Gebäuden. Seit dem Jahr 2020 sind die Baukosten um 42 Prozent angestiegen. Um jedoch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, müssen die Baukosten gesenkt werden. „Und das geht nur über ein Senken der Standards“, erklärt Walberg. „Also, wir müssen einfacher bauen. Wir müssen anders bauen. Sonst bauen wir bald gar nicht mehr.“ Denn mittlerweile dürfte allen klar sein, dass der Wohnungsbau in der Krise steckt und ein Risiko in sich trägt. Die deutsche Wirtschaft ist eng mit dem Wohnungsbau verbunden und droht, mit heruntergezogen zu werden.

















