Trends der Bauwirtschaft 2024: Krisen meistern, Chancen nutzen

Foto: seventyfourimages / envatoelements

Die Bauwirtschaft steht an der Schwelle zu wichtigen Veränderungen im kommenden Jahr. Eine aktuelle Prognose gibt einen tiefen Einblick in die drei wichtigsten Trends, die die Baubranche künftig prägen werden. Sie umfassen die Bewältigung der drohenden Strategiekrise, das Potenzial des seriellen und modularen Bauens und die hohe Bedeutung der Nachhaltigkeitsstrategie. Diese Trends bieten sowohl Herausforderungen als auch Chancen für Bauunternehmen und Bauzulieferer.

In gut sechs Wochen beginnt ein neues Kalenderjahr. Das ist Anlass genug für die Management-Beratung Dr. Wieselhuber & Partner (W&P), einen Blick in die Zukunft zu wagen. Mit dem Trendradar 2024 werden die drei wichtigsten Trends vorgestellt, die im kommenden Jahr den stärksten Einfluss auf die Baubranche haben werden.

Die Trends der Zukunft beginnen mit der drohenden Strategiekrise

So warnt W&P-Partner Stephan Hundertmark vor allem vor der Strategiekrise. Denn die Mehrheit der Unternehmen aus der Bauzulieferindustrie hat die Herausforderungen der Rohstoffkrise in den Jahren 2021/22 erfolgreich bewältigt. Dies geschah durch geschicktes Bestandsmanagement, Zuteilungen und eine konsequente Weitergabe von Rohstoffpreissteigerungen. Aktuell sind jedoch viele Unternehmen zunehmend von der schlechten Baukonjunktur und einem steigenden Umsatzeinbruch betroffen. Kurzfristig bevorzugen viele Unternehmen daher Kostensenkungen und den Abbau von Leerkapazitäten. Doch diese Schritte zur Bewältigung der aktuellen Krise sind keine ausreichende Antwort auf den anhaltenden Wandel der Bauwirtschaft. Einsparungen alleine sind keine gute Langzeitstrategie für den Erfolg. Denn die Märkte ändern sich zunehmend. Daher stellt sich die Frage, wie die Unternehmen ihre Geschäftsleistung verbessern und gleichzeitig sicherstellen können, dass ihre Produkte auch in Zukunft gefragt sein werden. Nur mithilfe einer ehrlichen und analytisch fundierten Antwort auf diese Frage lässt sich eine Strategiekrise, der Verlust von Marktanteilen und die Marginalisierung im Wettbewerb vermeiden. Auf dieser Grundlage sollten dann Zielmärkte und Entwicklungsschwerpunkte für die Zeit nach der Krise definiert und bereits heute in den Mittelpunkt gerückt werden. 

Serielles und modulares Bauen als große Chance für die Bauwirtschaft

Der zweite große Trend betrifft das modulare Bauen und die industrielle Vorfertigung in der Bauwirtschaft. Während ein Bauarbeiter im Jahr 1991 noch in der Lage war, quasi ein ganzes Haus alleine zu bauen, schafft er es heutzutage nicht mehr. Im Gegensatz dazu kann ein VW-Mitarbeiter, der im Jahr 1991 einen Golf produzierte, heute fast zwei Golfs in derselben Zeitspanne herstellen. In den letzten 30 Jahren ist die Produktivität am Bau praktisch rückläufig, während sie sich in anderen Wirtschaftsbereichen auf das Doppelte erhöht hat. Verursacht wird dies durch ausbleibenden Investitionen, mangelnde Effizienzsteigerungen und fehlende Automatisierung am Bau. Doch die steigenden Baukosten und der wachsende Einfluss der Innovationskraft von Startups und Risikokapitalgebern verstärken die Trends heute immer stärker in Richtung industrieller Vorfertigung von Bauteilen und modulares Bauen. Neben dem Fertighaus rückt jetzt auch der Volumenbau im mehrgeschossigen Wohnungsbau in den Mittelpunkt. Denn mit dieser immer stärker an Bedeutung gewinnenden Fertigungsweise konnten bereits Objekte mit 50, 100 und mehr Wohneinheiten realisiert werden. 

Zukunftssicherung durch Nachhaltigkeitsstrategie

Auch die Nachhaltigkeitswende in Bezug auf die Transformation der Märkte und unser künftiges wirtschaftliches Agieren wird die Bauwirtschaft im kommenden Jahr stark beeinflussen. Durch die Berichtspflicht zur Nachhaltigkeit wird besonders die stark mittelständisch geprägte Bauwirtschaft und Bauzulieferindustrie vor eine bürokratische Herausforderung gestellt. Allein in Deutschland sind 15.000 Unternehmen von dieser detaillierten Pflichtberichterstattung betroffen. Bisher waren es nur 500 Konzerne. Doch die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung kann eine echte Nachhaltigkeitsstrategie nicht ersetzen. Denn der dritte große Trend ist genauso wenig durch einen Nachhaltigkeitsbericht ersetzt, wie eine Unternehmensstrategie durch einen Finanzbericht. Manche Unternehmer könnten denken, dass die bloße Einhaltung dieser Vorschriften genug für das Thema Nachhaltigkeit ist. Aber das greift zu kurz. Nachhaltigkeit bedeutet langfristige Veränderungen in der Wirtschaft und bietet Wachstumschancen. Nachhaltige Produkte wachsen schneller als traditionelle, und Mitarbeiter erwarten von ihrem Arbeitgeber Engagement in Sachen Nachhaltigkeit. Um langfristig erfolgreich zu sein, brauchen Unternehmen also eine klare Strategie, die sowohl die Unternehmensziele als auch die Nachhaltigkeit berücksichtigt.

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